Nach über einem Jahrzehnt Bandgeschichte haben es die Postpunker von
The Quinsy geschafft eine zweite Platte auf den Markt zu bringen.
Nach The Quinsy in concerts Vol.1 gibt es nun The Violet Day
auf die Ohren. Mit zwei neu gemasterten Songs aus der früheren reinen
Live-Zeit und neun neuen Tracks geht die russische Band, bestehend aus
Vladimir "4.44" Tkebuchava, Ekaterina "Cobra" Urvacheva, Mikhail
Gorbatchev und Aleksandr Fominykh, in die Vollen und haut alles raus,
was zur Vergügung steht. Und das gelingt ziemlich gut.
The Quinsy sind im Player, die Musik startet und was erwartet
man schon groß von einer Band, die sich selbst als Postpunk bezeichnet?
Nicht das, was da plötzlich aus den Boxen kommt. Sphärische Klänge, eine
leichte Gitarre und ein vibrierender Bass sind die ersten Eindrücke,
die man von The Violet Day bekommt. Passend zum Namen des Intros,
Clouds scheint man erstmal hoch in die Wolken zu fliegen, bevor
es dann richtig los geht. Naja, so halb jedenfalls. Denn der eigentliche
Opener und Namensgeber des Albums beginnt zuerst genauso sphärisch,
löst sich dann aber mit tragenden verzerrten Gitarren von der reinen
Meditations-Stimmung ab, lässt aber weiterhin noch genug Spielraum
zur Entspannung. Dazu die bassige und von Hall untersetzte Stimme des
Sängers lässt den Hörer einfach die Augen schließen und den Sound
genießen. Allerdings stellt man sich schnell die Frage, ob der Herr Sänger
wirklich englisch sprechen kann, da er einen sehr merkwürdigen Akzent hat.
Man könnte behaupten, das sei so gewollt, aber bei näherem Hinhören
erkennt man doch schon den starken Akzent. Aber man muss ja auch nicht immer
auf den Gesang hören, sondern legt einfach den Fokus auf die tragenden
Töne, die atmosphärischer nicht sein könnten. So geht es dann auch erstmal
eine Weile weiter. Die einzelnen
Songs steigern sich zwar nach und nach im Tempo aber die fröhlich-
psychedelische Stimmung wird weiterhin aufrecht gehalten. Erst bei
Moscow Prostitute, beginnend mit Telefonsounds und gruseligem
Gelächter, kippt das allgmeine Flair ein bisschen, alleine durch die
Lyrics "Moscow Prostitute, I wanna fuck you so hard". Die Gitarre gemischt
mit dem immer wieder auftauchenden Gesang der Sängerin wirkt schwerer als
zuvor und obwohl die Keys im Hintergrund eine kleine süße Melodie zum
Besten geben, taucht dieser Song doch ziemlich tief in die Düsterstimmung
ein.
Mit Grey
Colored Love kehren die Jungs und Mädels von The Quinsy
wieder auf den entspannten Weg zurück. Allerdings geht hier wie von
selbst der Fuß im Takt mit und man wünscht sich einen großen Raum, in
dem man sich einfach nur zur Musik im Kreis drehen kann. Ab hier wird
also die tanzbare Schiene eingenommen.
We´ll Never Dance Again ist ein typischer Club-Song und würde
den eingefleischten BatCaver nicht ruhig stehen lassen sondern sofort
auf die Tanzfläche ziehen. Die Reihenfolge der nachfolgenden zwei Songs
ist vielleicht ein wenig falsch gewählt, denn so geht Dissolved
leider etwas unter, obwohl dieser rhythmisch nette kleine Song eine
tolle letzte Chance zum leichten Hüften schwingen ist, verschwindet
er ein wenig unter dem zuvor sehr schweren This Party Will Never
Have The End. Wäre das nicht ein besserer Titel für das Ende gewesen?
Aber nunja, so ist es nun, beim nächsten Mal vielleicht nochmal die
Tracklist überdenken.
Passend zum anfänglichen Intro gibt es nun auch noch ein Outro, das die
ersten Töne von The Violet Day auf der Gitarre noch einmal
anspielt und dann unter kleinen Blubbergeräuschen verschwindet. Da
hätte man sich nach dem imposanten Intro und dem gleitenden Gesamtwerk
doch ein wenig mehr gewünscht und somit sind die vierzig Sekunden am
Ende absolut verschenkt.
Wer bei Post-Punk eher an Bands wie Franz Ferdinand oder die
Arctic Monkeys denkt und jetzt verwirrt ist wie sphärische
Klänge dazu passen: The Quinsy bedienen sich der
britischen und klassichen Variante des Begriffes und hängen sich so
an Bands wie The Cure oder Joy Division. Dem Album fehlt
ein wenig Pepp, die Songs sind zwar musikalisch alle gut gearbeitet
aber es fehlt an wiedererkennungswert und an Highlights. The Violet
Day ist als Hintergrundmusik bei lockeren Sit-ins absolut zu
empfehlen, nur für die große fetzige Feier fällt die Platte raus.
Tatsächlich, und das meine ich nicht im Negativen Sinne, ist das Album
von The Quinsy tolle Musik zum Einschlafen, da die Songs
einen gechillten Charakter ohne Gleichen haben und durch die immer
wieder eingesetzen Keyboard-Layer mit der tiefen, aber nicht dominierenden
Stimme kann man sich vollkommen entspannen und darf sich nicht wundern,
das wenn man sich völig auf The Violet Day einlässt, man
einen wunderschönen Traum durchleben kann - und das sogar, wenn man
wach ist.
Schöne entspannende Klänge, Szeneleute sollten sich das Teil sofort
runterladen (zum Beispiel bei af-music). Alle anderen dürfen aber auch gerne
mal reinhören und
anstatt wegzuschalten, weil es nicht dem persönlichen Musikgeschmack
entspricht, einfach mal Augen schließen.
Anspieltipps
The Violet Day
Grey Colored Love
Dissolved
Trackliste
01. Clouds (Intro)
02. The Violet Day
03. Questions
04. The Music Of Your Heart
05. Moscow Prostitute
06. Flying In The Silence
07. Grey Colored Love
08. We´ll Never Dance Again
09. This Party Will Never Have The End
10. Dissolved
11. A Day For The Magic (Outro)
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Veröffentlichung: 14.02.2012
Stil: Psychedelic Post Punk
Label: afmusic
Download: http://www.af-music.de/netlabel/the-quinsy-the-violet-day/
MySpace: http://www.myspace.com/thequinsy
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