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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

Eternity Range

Gesucht - Gefunden. Seit Nightshade auch als Booking-Agentur tätig ist stieg das Interesse von internationalen Acts nochmal um einiges. Schon vor einigen Monaten kam dabei der Kontakt zum Schweden Andreas Rimheden zustande, der seine beiden Bands Eternity Range und Morticians gerne auch in Deutschland live präsentieren würde.
Fast ebensolange arbeiten wir nun an diesem schönen Interview, welches euch auf seine Arbeit und vor allem erstmal Eternity Range neugierig machen soll. Und solltest Du zufällig ein eigenes Label haben oder ein paar Schweden auf eine deutsche (oder internationale) Bühne holen wollen... Lass es uns wissen. ;)

Otti:
Mit Eternity Range wollt ihr nun auch den deutschen Musikmarkt und die deutsche Szene erobern. Was glaubst Du macht euch zu etwas besonderem, und warum sollten deutsche Musikfans ihre Augen und Ohren für euere Songs öffnen?

Andreas:
Ich glaube, wir haben einen einzigartigen Musikstil entwickelt, der Einflüsse von frühem Industrial/EBM in seinem kalten elektronischen Gewand mit einer einfachen Form klassischen Songschreibens kombiniert, die schon fast Ähnlichkeit mit Folk-Balladen hat. Wir wollen unsere Fans nicht nur zum Feiern und Tanzen bringen, sondern bemühen uns, tiefere, dunklere und echtere Emotionen in den musikalischen Genuss einzubringen.


"Ich erfülle mein Leben lieber mit anderen Sachen als oberflächlichen Beziehungen."

Otti:
Euer Bandname impliziert eher Ruhe, und die Musik ist leicht und sanft meiner Meinung nach. Hast Du nicht manchmal den Drang, deine Gefühle herauszuschreien, damit sie jemand hört? Oder ist es so, daß Eternity Range nur eine Seite deiner Seele zum Ausdruck bringt, und die laute, agressive andere Seite in Morticians verkörpert ist?

Andreas:
Das ist in der Tat meist der Fall. Wenn ich Songs für Eternity Range schreibe, ist das ein Ventil für den melancholischen Teil meiner Selbst, während Morticians mir die Möglichkeit gibt, sowohl meine Wut aus mir herauszuschreien, und vor allem aber auch Spass zu haben. Ich habe anfangs versucht diese beiden Gemütszustände zu kombinieren, weshalb auch das erste Eternity Range Album unter dem Namen Morticians veröffentlicht wurde, aber beides braucht wirklich separate Projekte, da die Verschmelzung sowohl das Publikums, als auch uns selbst verwirren könnte.

Otti:
Ich glaube ja sogar, dieser innere Zwiespalt ist die treibende Kraft eines jeden intelligenten Menschen, der nicht nur vor sich hin vegetiert, sondern auch sich selbst in Kunst, Musik oder anderer kreativer Arbeit ausdrückt. Was denkst Du darüber?

Andreas:
Absolut, das Leben ist voller verschiedener Gefühle und Erfahrungen, die dich als Künstler inspirieren können, wenn Du es zulässt. Es ist schon schwer, sich auf zwei verschiedene musikalische Stimmungen und Stile zu beschränken, was auch der Grund dafür ist, daß ich verschiedene weitere Nebenprojekte im Laufe der Jahre hatte. Dennoch versuche ich mich nur noch auf Eternity Range und Morticians zu konzentrieren. Für mich ist Musik fast ausschließlich ein Weg mich selbst zu verwirklichen; Etwas tiefsinnigeres aus alltäglichen Dingen und Gefühlen zu kreieren um das Leben lebenswerter zu machen.

Otti:
Wie Du mir bereits gesagt hast, habt ihr nie zuvor in Deutschland gespielt. Aber warst Du denn schonmal als Besucher hier in der Vergangenheit? Was weißt und erwartest Du von der deutschen Szene und dem deutschen Publikum?

Andreas:
Als ich jung war ist meine Familie immer in den Sommerurlaub nach Italien gereist, und da sind wir mit dem Auto gefahren. Üblicherweise haben wir dabei auch ein paar Tage in Deutschland verbracht, sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg. Als Erwachsener bin ich jedoch noch nie dort gewesen. Nach allem was ich vom deutschen Publikum und der Szene dort gehört habe, scheint es mir, daß ihr elektronischer Musik wesentlich aufgeschlossener seid as wir Schweden. Hier ist die EBM-/Synthpop-/-Gothic-Szene nur eine sehr kleine Subkultur, von der die meisten Leute noch nicht mal wissen, daß sie existiert, bei euch im Land scheint das wesentlich bekannter und auch akzeptierter zu sein.

Otti:
Auf der anderen Seite weiß ich aber auch von vielen deutschen Musikern, daß sie liebend gerne in Schweden auftreten, einfach wegen der Mentalität die bei euch herrscht. Nächste Woche wird das WGT in Leipzig stattfinden (beim Erscheinen dieses Interviews ist es wohl schon wieder vorbei ;)), und dort treffen sich Gothics und Freunde aus der ganzen Welt um gemeinsam Party zu machen. Vielleicht ist das das Besondere an Szenen wie Gothic, Punk oder Metal, daß sie uns ein familiäres Zuhause bieten, statt geistige und physikalische Grenzen zu ziehen?

Andreas:
Die schwedische Szene ist sehr familiär. Das ist natürlich gut in dem Sinne, daß die wenigen großen jährlichen Festivals mit dieser Art von Musik (wie SAMA, electricXmas) einem das Gefühl eines netten großen Familientreffens geben. Auf der anderen Seite ist es in dem Sinne nicht so toll, weil die Szene hier Veränderungen und Weiterentwicklungen nicht sonderlich offen aufzunehmen scheint. Alles in allem ist das, was die Leute hier so zusammenhält eine spezielle Art von Musik und Auftreten, und etwas daran zu ändern würde die Gemeinschaft bedrohen. Ich denke jedoch, es gibt zu viel schöne und unterhaltsame Musik aus allen Genres, als daß man sich von seiner Subkultur in seinem Musikgeschmack einschränken lassen sollte. Subkulturen sind natürlich trotzdem cool, so lange man Teil von mehreren ist, nicht nur von einer.

Otti:
In eueren Texten beschäftigt ihr euch neben anderen Themen auch mit Alpträumen. Was sind deiner Meinung nach die Gründe, warum Menschen Träumen müssen?

Andreas:
Ich habe einmal eine Theorie gelesen, die besagt, der Zweck von Träumen ist die Erfahrungen auszusortieren, die man an dem jeweiligen Tag gemacht hat. Daß es nur ein Weg für das Gehirn ist, Dinge zu organisieren. Aber das scheint mir vollkommen falsch zu sein. Träume können einen verwirren und dafür sorgen, daß man sich über einen längeren Zeitraum komisch fühlt. Es scheint fast so als wenn dann der kreative Teil des Geistes die Kontrolle übernimmt und durchdreht. Wahrscheinlich ist es genau das, was Träume für mich so faszinierend und inspirierend macht.

Otti:
Da bin ich ganz deiner Meinung. Wenn Träume nur dazu da wären, Erfahrungen auszusortieren, wie könnte der menschliche Geist dann solche wundervollen Gebäude, Bilder und andere kreative Arbeiten erschaffen? Was ist dieses besondere Ding, welches wir Menschheit nennen?

Andreas:
Die kreative Kraft der Menschheit kann wirklich erstaunlich sein, aber leider scheinen das die wenigsten von uns wirklich zu schätzen. Ich persönlich kann mir ein Leben gar nicht mehr vorstellen, in dem ich nicht in der Lage bin neue schöne oder interessante Kunst, Musik und Literatur zu erkunden, und ich kann auch nicht verstehen, wie die meisten Menschen es ertragen, ständig nur den gleichen fabrizierten Müll zu hören, mit dem uns die Major-Musikindustrie zu füttern versucht. Die Menschheit hat sicher das Potential um zu etwas besonderem zu werden, nur scheinen die meissten von uns diese Möglichkeiten nicht ausnutzen zu wollen.

Otti:
In meinen Ohren hat die Musik von Eternity Range sogar etwas mystisches. Glaubst Du an Mythen, Legenden und übernatürliche Phänomene? Und was bedeuten sie für dich?

Andreas:
Wir alle Vier teilen die Liebe zu mystischen und mythischen Dingen. Ich interessiere mich für außerkörperliche Erfahrungen und Erinnerungen an vergangene Leben, während Marie eher magisch geprägt ist. Kent ist ein absoluter Cthulhu-Freak und sammelt alles von H.P. Lovecraft. Unsere Musik ist wahrscheinlich auch ein Weg, die Hoffnung auszudrücken, daß es noch etwas größeres gibt als das alltägliche Leben, etwas nach dem wir alle auf unsere eigene Art und Weise suchen.

Otti:
Also habt ihr auch keinen Bezug zur christlichen Kirche oder anderen Weltreligionen? Wie denkst Du über Menschen, die unter dem Deckmantel ihres Glaubens zu Mördern werden?

Andreas:
Für mich wirkt es so, daß die meisten Religionen nur als Entschuldigung für Mord und Hass dienen. Ich bewahre mir meinen freien Geist und glaube sicherlich, daß es wesentlich mehr gibt, als das Auge wahrnimmt, aber Kulte und Religionen sind einfach nur schlecht. Sie bieten aber gutes Material für Horrorfilme und furchterregende Musik.

Otti:
Ihr habt als Duo angefangen, später kam dann noch Loita dazu. Wie würdest Du das Gefühl innerhalb der Band beschreiben? Und wie seid ihr emotional verbunden?

Andreas:
Der Kern der Band sind immernoch Marie und ich. Wir sind jahrelang schon ein Paar gewesen. Im Laufe der Zeit brachte sich Marie immer mehr in meine Musik ein, und wir merkten, daß wir sehr gut als Musik-Team zusammenpassen. Loita ist eine Verwandte von mir, aber wir kannten uns nicht sonderlich gut, bis wir vor ein paar Jahren feststellten, daß wir denselben Musikgeschmack teilen. Zu der Zeit suchte Eternity Range aktiv nach jemandem der Violine spielt, um den Liveauftritten einen romantischeren Touch zu verpassen, und wir waren sehr froh eine talentierte Violinistin zu finden, die dazu noch mit mir verwandt war und die gleiche Musik wie wir liebte. Letzten Herbst kam dann noch ein viertes Mitglied dazu, Kent Björnsson, und half uns beim Gesang und den Texten einiger der neuen Songs. Kent ist ein alter Freund von mir der vorher Mitglied des Synthpop-Duos "Native Cry" war. Seine exzellenten Lead Vocals werden wahrscheinlich auch noch bei mehreren der neuen Songs in Zukunft zu hören sein.

Otti:
Was bedeuted Freundschaft überhaupt für dich?

Andreas:
Ich schätze ich bin da ein wenig unsozial, aber ich glaube daß nur wahre Freunde den Aufwand wert sind, diejenigen die zu dir halten egal was kommt, darum habe ich nicht wirklich viele Freunde. Ich erfülle mein Leben lieber mit anderen Sachen als oberflächlichen Beziehungen. Das hat sicher auch einen negativen Einfluss auf meine Musikkarriere gehabt, da es im Musikbusiness sehr davon abhängt, wen Du kennst.

Otti:
Wenn Deutsche an Schweden denken, kommen ihnen oft die schönen schwedischen Mädels als erstes in den Sinn. Warum habt ihr so süße Frauen da oben? Und was wären die ersten Dinge die Du mir zeigen würdest, wenn ich ich dich und dein Land besuchen würde?

Andreas:
Nachdem ich mein ganzes Leben hier verbracht habe bin ich so angeödet von diesem Ort, daß ich wahrscheinlich vorschlagen würde, gemeinsam ein anderes, interessanteres Land zu besuchen. ;-) Natürlich könnten wir dann auf diesem Ausflug ein paar dieser süßen schwedischen Girls mitnehmen.

Otti:
Da ich jetzt gerade dem neuen Album von "Marilyn Manson" lausche... Wenn Du Manson persönlich begegnen würdest, zum Beispiel auf einem Festival, über was würdest Du mit ihm reden wollen?

Andreas:
Ich wäre wahrscheinlich zu eingeschüchtert um mit ihm zu sprechen, außer vielleicht um ihn nach einem Autogramm zu fragen.

Otti:
Also gibt es immernoch Musiker, zu denen Du aufschaust? Was sollte ein guter Künstler in deinen Augen mit sich bringen?

Andreas:
Das Wichtigste ist natürlich, daß die Band/der Künstler großartige Musik erschafft (nicht nur darbietet), aber ich bevorzuge Künstler die das mit einer wirklich guten Show - sowohl live als auch in den Medien - kombinieren, wie eben Manson. Seit ich in den 80ern ein Teenager war, schaue ich traurig auf diese verlorenen guten alten Zeiten zurück, als Popstars noch Stars waren, und ebenso kreativ waren, wenn es um ihr "Image" ging, wie wenn sie Musik (oder mehr) machten. Die heutigen "American Idol"-Versionen von Popstars kommen meiner Meinung nach nirgendwo auch nur annähernd an den Star-Status von Bands wie Devo, Talking Heads, Madness, Iron Maiden, W:A:S:P: usw heran. Aber auch wenn die Dinge in der Mainstream-Musikszene immer schlimmer werden, gibt es immernoch viele aktive Künstler, die es wert sind gehört und bewundert zu werden. Ich mag Bands wie "QNTAL" und "Within Temptation", wenn ich in einer Eternity Range-artigen Stimmung bin, und ich liebe es "Combichrist" oder sogar "Marilyn Manson" zu hören natürlich, wenn ich Inpiration für Morticians suche.

Otti:
Kommen wir zurück zu Eternity Range. Welche Visionen hast du noch für euere Karriere? Welche Ziele beeinflussen deine Taten?

Andreas:
Unser Hauptziel ist es, so schöne und magische Musik zu machen wie nur möglich. Wir hatten bisher nicht sonderlich viel Glück mit den Labels, die bisherigen zwei haben nichts weiter für unsere Karriere getan, ausser die ersten beiden CDs zu veröffentlichen und alle Gewinne für sich zu behalten, also hoffe ich natürlich ein vernünftiges und ehrliches Label für das Release unserer dritten CD zu finden. Außerdem wünsche ich mir, daß wir unsere Musik einem breiteren Live-Publikum präsentieren zu können als heute.


"Die kreative Kraft der Menschheit kann wirklich erstaunlich sein, aber leider scheinen das die wenigsten von uns wirklich zu schätzen."

Otti:
Abhängig von der Zukunft, wie meinst Du wird diese Welt in hundert Jahren aussehen?

Andreas:
Hoffentlich kriegen wir alle den Dreh schnell genug um die globale Erwärmung davon abzuhalten, uns mit riesigen Naturkatstrophen zu killen, aber da bin ich mir nicht sicher. Wenn wir tatsächlich dann noch leben, dann erwarte ich daß alles wirklich futuristisch sein wird, da Technologie oft die Science Fiction nachzuahmen scheint. Ich wäre sehr enttäuscht wenn die Dinge da größtenteils so aussehen würden wie heute.

Otti:
Und last but not least: Welche Sportarten magst Du persönlich und übst Du aus?

Andreas:
Videogames.

Art des Interviews: Email
07.07.2007 by Otti
Eternity Range in unserer Band- und Künstlerdatenbank

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