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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

Batlord

Wenn man Scorpio, den Frontmann der US-Combo "Batlord" so auf Bildern betrachtet, erwartet man einen abgehobenen, freakigen Klischee-Gothic, wie sie zahlreich durch die Szene wandern. Unterhält man sich aber mit ihm, dann merkt man, daß hinter der Maske ein interessanter, ungewöhnlicher und doch auch bodenständiger Mann steckt, mit ganz normalen Ängsten und Sehnsüchten.
Nachdem ich vor zwei Monaten die neue CD Music to be buried to rezensieren durfte, ist nun auch endlich das passende Interview fertig geworden. Und so lasst uns gemeinsam abtauchen in die sinnliche Welt von "Batlord"...

Otti:
Der Name "Batlord" klingt irgendwie vampiristisch in meinen Ohren. Wie denkst Du über Vampire und ähnliche mystische Kreaturen?

Scorpio:
Ich interessiere mich mehr für die wahren dunklen Kreaturen dieser Welt, diejenigen in unserer Psyche. In manchen Menschen lauern echte Monster. Und vielleicht beschwört selbst ein durchschnittlicher Typ hin und wieder einige echte Dämonen aus dem Geiste. ... Du, Ich, der Typ von nebenan...

Es gibt viele Bücher und Filme über Vampire, und sogar Vampirgemeinschaften. Ich glaube, daß die meisten Menschen ein echtes Verlangen danach haben mystisch, magisch oder unsterblich zu sein. Die Tatsache, daß sie dies wohl nie sein können macht diese Sehnsucht wahrscheinlich noch stärker. In keinem Fall jedoch finde ich Vampire oder Geister irgendwie angsteinflößend. Das wirklich erschreckende ist das was sich in uns befindet... Wozu Menschen fähig sind. ... Sogar diejenigen Personen die "normal" erscheinen.

Ich schreibe nicht über Zombies oder andere Monster, außer vielleicht auf eine humorvolle oder symbolische Art und Weise. Ich fasse menschliche Ängste und Gefühle in Worte. Derzeit arbeite ich an einem neuen Album und die meisten Texte handeln von Ängsten, von Sehnsüchten die jeder nachvollziehen kann. Die Symbolik und Bilder sind dunkel, aber die Themen sind menschliche Gefühle.


"Es gibt keinen Weg Tod, Schmerz und Krankheit zu eliminieren, also versuche ich damit so ruhig umzugehen wie nur möglich."

Otti:
Ihr seid gerade von euerer Tour durch Deutschland zurückgekehrt, und es scheint die Tour war wirklich gut. Welche Höhepunkte hast Du im Gedächtnis behalten? Und wie magst Du Deutschland im gesamten?

Scorpio:
Ich liebe Deutschland. "Ich bin Deutsche lernen." (Originalzitat, Anm. d. Autors) Wir hatten eine großartige Zeit auf dieser Tour.Alles verlief reibungslos. Die Jungs aus der Band hatten bereits viel Erfahrung aus anderen Bands, aber dies war erst unsere dritte Tour als "Batlord". Nun wissen wir was wir voneinander erwarten können, wenn wir gemeinsam unterwegs sind, daher war die Stimmung wirklich Klasse.

Wir haben einige Pressestimmen und Radio-Sendungen bekommen, die Fans kennen nun unsere Songs langsam. Es ist eine wahre Wonne in einer Stadt zu spielen, wo wir nie zuvor gewesen sind, und die Leute singen unsere Texte mit.

Otti:
Einer meiner absoluten Lieblingssongs von euch ist "Just Because I Wish That You Were Dead...". Wie wichtig sind ironische und humorvolle Themen für euere Musik?

Scorpio:
"Batlord" wirkt wohl am Besten, glaub ich, wenn die Texte sich auf einem schmalen Grat zwischen Ernsthaftigkeit und Humor bewegen."Just Because I Wish That You Were Dead (Doesn't Mean I Don't Love You)" funktioniert, weil der Text in einer fröhlichen Melodie gesungen ist. Wäre es düstere oder schwere Musik, wäre es wohl nichtw irklich witzig denke ich.

Das neue Album scheint seinen Humor eher auf eine "trockene" Art und Weise auszudrücken. ...Das heisst, es ist nicht so offensichtlich. Das erste Album hatte mehr solcher Melodien, und es wird auch mehr davon auf dem nächsten geben. Es ist der Humor den ich auch im Gespräch ausdrücke, und ich versuche alles um meine Texte mit Inhalten zu füllen, die ich auch in einem Gespräch so sagen würde.

Otti:
Ein anderer eindrucksvoller Song, "Torture Queen", handelt vom Thema Sadomasochismus. In Deutschkland scheint dieser sexuelle Lebensstil immer mehr akzeptiert zu werden, wie ist die Situation da in den USA?

Scorpio:
Ziemlich weit gefächert. Es gibt öffentliche Clubs die SM zum Thema haben, aber nur mit leichten Spielchen. Dann gibt es da noch private Clubs die wesentlich weiter gehen. Es gibt Treffen, Websites um gleichgesinnte zu finden, Online-Communities etc. Genau wie in Deutschland haben viele der SM-Accesoires und der entsprechenden Kleidung ihren Weg in die Rock and Roll-Fasion gefunden, in manchen Fällen gar in die Mainstream-Mode. Weit verbreitet sind zum Beispiel Bondage-Hosen, selbst wenn die Person die sie trägt vielleicht kein SM-Liebhaber ist.

Ich habe einige interessante Erfahrungen in dieser Szene gemacht, einschließlich einer, wo eine Sklavin sich auf einer Party von mir angezogen fühlte und ihren Meister um Erlaubnis fragte, für diese Nacht bei mir zu bleiben. Das war fantastisch, und ich bedankte mich bei ihm für den großartigen Abend als ich ihn das nächste Mal sah.

Otti:
Zwei der dominierenden Themen von denen Deine Musik handelt sind Tot und Sex. Wo siehst Du die verbindung zwischen diesen beiden großen Kräften der Menschheit?

Scorpio:
Von den menschlichen Grundbedürfnissen und Ängsten sind das sicher zwei der Themen über die am meisten nachgedacht und geredet wird (Geld und Karriere fallen in eine andere Kategorie). Der Tod scheint das am meisten gefürchtete, mysteriöseste Phänomen für die Leute zu sein. Sex ist das größte natürliche Verlangen. Das sind zwei Themen wo mehr Zeit dafür verwendet wird, über sie zu reden, statt es zu tun. Sei nur froh, daß wir das Eine nur ein einziges Mal machen kannst und das andere viele Male. Gut, daß es nicht umgekehrt ist.

Otti:
Auf euerer Myspace-Seite beschrieb ein Fan euere Musik als "The Doors goes gothic". Wie denkst Du darüber, und wenn Jim Morrison bei einer euerer Shows auftauchen würde, wie würdest Du reagieren?

Scorpio:
Das ist ein dickes Kompliment. Für mich sind "The Doors" eine der besten Bands, die jemals Rock and Roll gemacht haben. Sie waren sehr kreative, großartige Songschreiber, originell, und sie hatten alle eine einzigartige "Stimme" auf ihrem jeweiligen Instrument, genauso wie sie einen einzigartigen Sound in der Einheit hatten. Ich liebe die Art wie sie Dramatik und Improvisation zum Ausdruck brachten, und sie konnten wahrlich Spannung erzeugen.

Wenn Jim in der Menge auftauchen würde, ich würde mir den Arsch blutig spielen. Vielleicht würde ich ihn ja auf die Bühne kriegen. Weißt Du, in Los Angeles, da haben wir mal mit einer berühmten Doors-Tribute-Band zusammen gespielt. Da der Sänger wie Jim aussieht, handelt und singt hatte ich zumindestens die "oberflächliche" Erfahrung, Jim mal im Publikum zu haben.

Otti:
Was war das Verrückteste was Du jemals in deinem Leben gemacht hast?

Scorpio:
Da gab es sicher viel was ich auf Tour veranstaltet hab. Ich rzähl dir mal was was außerhalb der Touren passiert ist: Ein Freund hat mich mal zu einer Party in Downtown L.A. eingeladen, in einen eher runtergekommenen Stadtteil. Aber zu dem zeitpunkt wo ich da auftauchte war er bereits wieder verschwunden. Also hab ich mich selbst den Gastgebern, zwei Mädels die da wohnten. Sie waren Punk-Girls und ich hatte viel Spaß, betrank mich und freundete mich mit einer der Gastgeberinnen an. Wir unterhielten uns bis nur noch fünf Gäste übrig waren.

Irgendwie kamen wir dann auf das Thema Bondage, und ich ließ mich von ihr an einer Säule in der Mitte des Apartements fesseln. Dann entfernte sie die meiste meiner Kleidung und gab mir eine komplette Folter-Session mit Wäscheklammern und einer Peitsche. Die anderen Frauen schauten zu, eine schob sogar ihre Hand in meine Hose. An einem Punkt holten sie Messer und anderes Zeug aus der Kücjhe um mich zu erschrecken. Der Kern ist, daß ich mich von diesen Leuten, die ich erst ein paar Stunden kannte so fest hab fesseln lassen, daß ich niemals hätte entkommen können. Sie hätten mir die Eier abschneiden können, nur weil sie dachten es sei lustig. Ich muss gestehen, es war wirklich aufregend mich auf diese Weise vollkommen in die Hände einer komplett Fremden zu geben,


"Der Tod scheint das am meisten gefürchtete, mysteriöseste Phänomen für die Leute zu sein."

Otti:
Und wenn Du die Wahl hättest mit John F. Kennedy oder George Washington eine Tasse Tee zu trinken, welchen von beiden würdest Du nehmen, und wieso?

Scorpio:
Washinton. Weil gesagt wird, daß er niemals eine Lüge von sich gegeben habe. Also würde er meine Fragen wahrheitsgemäß beantworten müssen. Außerdem führte er die Revolutions-Truppen durch mance wirklich unüberwindbar scheinende Situationen. IIch würde zu gerne seine Geschichten hören, und seine Sichtweise zu Ereignissen über die ich in Büchern gelesen habe.

Kennedy hatte ein lustigeres Leben, aber ich glaub kaum daß er über die interessanten Teile viel erzählen würde.

Otti:
Was zur Hölle hat Dracula mit Jesus Christus zu tun?

Scorpio:
Der Song auf den Du dich beziehst heisst ja "The Worst of Dracula & Jesus Christ". Der Song handelt hauptsächlich von Abhängkeit. Der Text ist ja sehr simpel. Er handelt davon "eingesaugt" zu werden von etwas äußere. Der "Sprecher" des textes ist hierbei die Sucht. Also bedeutet die Zeile "I am the worst of Dracula and Jesus Christ" nichts anderes nichts anderes als eine große Macht die die Konrolle über einen übernimmt, entweder mit oder ohne Einverständnis. ...So wie Dracula dir die Seele raubt, oder jemand seine Seele an eine Religion abtritt. ... oder ein Verlangen ...oder eine Sucht ...oder einen Liebhaber ...zum Besseren oder Schlechteren.

Otti:
Wenn Du zurückschaust, was war die wichtigste technische Erfindung die die Menschen gemacht haben?

Scorpio:
Sprache. Sie hat alles verändert. ...Sogar mehr als die E-Gitarre. Die Drucker-Presse war sehr revolutionär. Ich schätze meine Lieblingserfindungen drehen sich alle um Kommunikation. Vielleicht ist das der Grund warum ich Musiker bin. Oh, wer könnte den Bikini vergessen? Der übertrifft alle Erfindungen die vorher oder nachher gemacht wurden.

Otti:
Jeden Tag werden wir in dieser Welt mit Tod, Schmerz und Krankheit konfrontiert. Wie gehst Du damit um?

Scorpio:
Das ist ein Teil des Lebens. Es gibt keinen Weg Tod, Schmerz und Krankheit zu eliminieren, also versuche ich damit so ruhig umzugehen wie nur möglich. Wie Du an meinen textlichen Inhalten sehen kannst, ist das ein wichtiges Thema für mich. Ich versuche wirklich das Leben und seine schönen Aspekte zu genießen: Das Vergnügen, die Schönheit, den Humor. Der Schmerz wird schon früh genug kommen. Aber warum jetzt drüber nachdenken? Lass uns eine schöne zeit haben, so lange wir können.

Otti:
Ich bin sicher Du erinnerst dich an deine erste große Liebe... Wenn Du ihn/sie heute treffen würdest,w as würdest Du gerne sagen?

Scorpio:
Ich hatte die Gelegenheit schon ein paar mal, frühere Lover zu treffen. Es war toll in der Lage zu sein ihnen für die schönen Zeiten zu danken, ihnen zu sagen daß sie Teil meines Lebens sind und mir viel Freude bereitet haben. Das ist alles was ich will: Etwas Freude bevor ich ins Grab gehe.

Otti:
Wenn Du durch die Strassen von Los Angeles läufst welche(s) Lied(er) kommen dir in den Sinn?

Scorpio:
Hängt von der Umgebung ab und vond er Tageszeit. ...Aber meist ist es etwas, was ich kurz zuvor gehört habe. Wenn ich ein Lied mag, kann ich es mir 50 Mal am Stück anhören. Das läuft dann auch den ganzen Tag in meinem Kopf.

Otti:
Um zum Ende zu kommen, was waren deine Lieblingsspielzeuge in deiner Kindheit?

Scorpio:
Dinosaurier-Eier! Ein kleines batteriebetriebenes Radio war ein tolles frühes Geschenk. Ich war acht Jahre alt. Mein Vater gab es mir, und das war das erste Mal daß ich für mich selbst Musik hören konnte. Ich schlief jede Nacht mit dem Ding unter dem Kopfkissen ein und blieb manchmal stundenlang wach um noch Musik zu hören.

Danke für das Interview, Otti, und wir hoffen dich bald zu sehen! Scorpio

Art des Interviews: Email
01.08.2007 by Otti
Batlord in unserer Banddatenbank

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27.06.2007Batlord: Music to be buried to(Rezension: Musik)
16.12.2011Adrian H. And The Wounds: Dog Solitude(Rezension: Musik)
19.01.2010Anders Manga: Infinite Gaze To The Sun(Rezension: Musik)

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