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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

BETRAYERS OF BABYLON: Im VW-Bus nach London

Die Grundlage der Musik der Betrayers Of Babylon ist der Reggae. Darauf aufbauend verwenden die Herren aus dem Großraum Ruhrgebiet/Düsseldorf aber verschiedenste Elemente, die vom Ska, über Hip Hop, bis hin zu Jazz und Punk-Anleihen reichen - so auch auf ihrer aktuellen Scheibe Babylon By Bike. Über diese habe ich für die aktuelle Ausgabe #116 des Slam Alternative Music Magazine eine Rezension und eine Story verfasst und in diesem Zusammenhang auch ein Mailinterview mit der Band geführt, welches mir Sänger und Hauptsongwriter Luks ausführlich beantwortet hat. Und da das mal wieder hieß, dass viel mehr spannende Informationen zusammengekommen sind, als ich im Heft unterbringen konnte, dürft Ihr den Rest des Interviews hierlesen:

Otti:
Zunächst mal ganz allgemein gefragt: Wie haben sich die Betrayers Of Babylon ursprünglich zusammengefunden, und was ist von der Grundidee dahinter, die bis heute geblieben?

Luks:
Wir haben uns noch als Schüler in Neuss gegründet. Damals ging uns die Spießigkeit und Mief der Kleinstadt richtig auf die Nerven. Wir wollten lieber Teil der Subkultur sein, Konzerte geben und unser eigenes Ding machen - mit dem Anspruch, eine Liveshow darzubieten, die die Leute mitreißt. Das ist auch immernoch unsere Motivation, Musik zu machen, die sich abseits des Mainstreams verordnet, die aber trotzdem für eine ordentliche Fiesta sorgt.

Betrayers Of Babylon
"Wir brauchen viel mehr politische Bildung, die allen ermöglicht, Populismus direkt als solchen zu entlarven." (pic by Jochen Rolfes)

Otti:
Was mir gerade irgendwie fehlt ist ein Überblick Eurer bisherigen Leistungen. ;) Über Babylon by Bike heißt es auf Eurer Website, es sei das zweite Album. Wie hieß denn das erste, und was habt Ihr sonst in Eurer bisherigen Bangeschichte verzapft?

Luks:
2011 gegründet, kam kurz darauf die erste EP und dann auch schon Shows bei ein paar Open Air Festivals, wie beim Olgas Rock. 2015 haben wir unser Debut Album Herzlich Willkommen rausgebracht, wonach die Liste der Festivals und Support-Shows, z.B. für Jamaram, The Skatalites, Jaya the Cat oder The Skints stetig wuchs. 2019 und 2020 kamen die ersten Vorab-Singles und 2021 unser neues Album.

Otti:
Babylon By Bike hat nun auch schon ein paar Monate auf den Buckel. Mit dieser zeitlichen Distanz, worauf seid Ihr bezüglich der LP besonders stolz?

Luks:
Stolz ist vielleicht der falsche Ausdruck, aber wir sind wirklich super happy, dass es zum Album so positives Feedback gab - sowohl von der Presse, als auch von den Leuten. Wir sind echt dankbar für all die herzlichen Nachrichten, Mails und Reviews, die wir erhalten haben.

Otti:
Inhaltlich bietet Ihr eine immense Bandbreite spannender Themen, über die man sich durchweg auslassen könnte - zuviel für ein kleines Interview wie dieses. Nehmen wir aber mal als Beispiel Kelele: Da Ihr aus der gleichen Gegend kommt wie ich, würde mich interessieren: Was sind hier in der Umgebung Eure Lieblings-Clubs/-Läden, und welche Erfahrungen habt Ihr da zB. mit spießigen Nachbarn etc wahrgenommen?

Luks:
Das ZAKK in Düsseldorf und die Zeche Carl in Essen sind uns unter anderen sehr ans Herz gewachsen. An die Konzerte erinnern wir uns immer gern zurück und freuen uns schon auf die nächsten. Hammer Stimmung, immer eine gut gelaunte Crew, viel soziales Engagement, super nettes Publikum... was will man mehr?

Spießige Nachbarn scheinen echt ein weit verbreitetes Phänomen zu sein. Bei einer privaten Gartenparty kam Samstags um 9 Uhr Abends die Polizei vorbei und wir mussten aufhören zu spielen. In vielen kleinen Läden kriegt man die Info, um Punkt 22 Uhr geht die Anlage aus, sonst drehen die Nachbarn durch. Den Vogel abgeschossen hat das Autokino Konzert in Düsseldorf, wohlgemerkt auf einem Messegelände, wo es den Leuten untersagt wurde zu hupen, weil Kilometer weit entfernt wohnende Nachbarn Klage eingereicht haben. Wir finden, es muss sich wieder normalisieren, dass in Städten nun mal laute Musik gespielt wird. Livekultur lebt auch davon, zentral erreichbar zu sein. Das kann man nicht in die Walachei umsiedeln. Darum geht es in Kelele, Swahili für Schreien und Lärm machen.

Otti:
Wo ich gerade"Horst höre - wie erklärt Ihr Euch eigentlich, dass auch im Jahre 2021 die Themen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in unserer Gesellschaft noch weit verbreitet sind?

Luks:
Ich denke, solang es Populist*innen gelingt, sich Gehör zu verschaffen, wird expliziter Rassismus und Rechtsextremismus eine große Rolle spielen. Wir brauchen viel mehr politische Bildung, die allen ermöglicht, Populismus direkt als solchen zu entlarven. Viele sehnen sich wohl grade nach einfachen Antworten auf komplexe Themen und gelangen dann in die Bubble der Hetzer*innen. Und wenn selbst unser Innenminister von "Asyltourismus" spricht (oder sprach), dann ist das ein klares Zeichen dafür, wie weit Rechtspopulismus in die Mitte der Gesellschaft gerückt ist.

Otti:
Nach dem Album ist vor dem Album, und Livemusik ist momentan gar nicht möglich. Wie vertreibt Ihr Euch als Band die Zeit momentan?

Luks:
Wir haben, was gerade ein echter Vorteil ist, keine große Crew hinter uns, sodass wir ziemlich spontan Konzerte planen und andere Projekte ausführen können. Vergangenen und diesen Sommer haben wir dadurch die Möglichkeit gehabt, doch ein paar Biergarten-Konzerte zu spielen. Wir sind auch als Duo unterwegs, produzieren Live- und Musikvideos, schreiben und proben neue Songs. Alles möglichst mit Maske, Tests und Abstand, aber wir können zum Glück noch zusammen produktiv sein.

Otti:
Sofern jetzt mit zunehmendem Impferfolg eventuell doch wieder Auftritte vor Publikum möglich werden - was steht da bei Euch 2021 noch an?

Luks:
Diesen Sommer spielen wir ziemlich sicher ein paar Open Airs hier in der Gegend. Im Herbst oder Winter wäre es natürlich der Hammer die vielen Club-Konzerte nachholen zu können, die alle nicht stattfinden konnten, aber mal sehen.

10.7. Biergarten Konzert Kulturbunker Köln
31.7. Straßenkunstsommer Essen
12.8. Open Air im Vier Linden Düsseldorf
21.8. MammaMia Festival Ahaus

Otti:
Ganz allgemein gefragt: Was war bisher das aufregendste und/oder intensivste Liveerlebnis mit den Betrayers?

Luks:
Schwer zu sagen, vielleicht als Support von den Skatalites im Yaam in Berlin. Die Band sind DIE Ska Pioniere und in der Szene lebende Legenden. Während ihrer Show holte der Skatalites Keyboarder unsere Bläser auf die Bühne, um zusammen zu jammen. Aber auch die Konzerte in kleinen, rappelvollen Clubs sind für uns echte Highlights. Da entsteht mit allen zusammen in der Hitze so eine geile Stimmung!

Otti:
Da Ihr in der Info als "Band aus Düsseldorf und Essen" bezeichnet werdet - was sind in Euren Augen die jeweiligen Vorzüge dieser beiden Städte?

Luks:
Wir mögen das Multikulti der beiden Städte. Auch das Netzwerk, das wir uns hier erspielt haben, ist für uns ein großer Vorteil zu anderen Städten. Eine etwas größere Reggae & Ska Szene wäre nicht schlecht, aber dafür gibt es viele andere spannende Kunst. Man ist auch ziemlich im Zentrum von Rheinland und Ruhrpott. So hat man einige umliegende Städte, in denen wir spielen können. Dadurch lernt man schnell neue Städte, Orte und Menschen kennen.

Otti:
Und wenn denn nun auch das Reisen wieder möglich wird: Wohin würdet Ihr gerade gerne fahren, um dort spontan ein Konzert zu geben?

Luks:
Wahrscheinlich wäre es für Briten etwas merkwürdig, eine Show mit unseren deutschsprachigen Texten zu sehen, aber ein fettes Konzert in London wäre schon ein Traum. Von dort aus kam jamaikanische Musik nach Europa. So viele überragende Bands und Musiker*innen, sowohl aus der Ska- und Reggae-Szene, als auch aus dem Hip-Hop- oder Jazz-Bereich kommen aus London. Das ist schon ein Mekka der Musik für uns, wo man vielleicht noch mit unserem alten VW-Bus hinkäme.

Website:
betrayers-of-babylon.de

Art des Interviews: Email
31.05.2021 by Otti
BETRAYERS OF BABYLON in unserer Band- und Künstlerdatenbank

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