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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

PLASMASCHWARZ: "Stillstand langweilt mich"

Als die liebe Eva H. mir von ihrem neuen Soloprojekt Plasmaschwarz erzählte, war ich gleich Feuer und Flamme - wusste ich doch aus der Vergangenheit, dass die Lady ein Händchen für gute Musik hat. Mittlerweile hat sie die EP Mein Kopf fertig gestellt und veröffentlicht - ein Kleinod mit fünf spannenden Tracks, die sich irgendwo zwischen Minimal, NDW und Pop bewegen. Ein perfekter Anlass also, um Euch Plasmaschwarz und die dahinter stehende Künstlerin einmal in einem kleinen Interview näher zu bringen!

Otti:
Gehen wir zunächst kurz in die Vergangenheit. Der eine oder andere wird Dich sicher noch von Candyslade kennen. Was ist daraus eigentlich geworden?

Eva H.:
Candyslade gibt es nach wie vor, neues Material nach unserem Album Polaroid Affection haben wir vor einiger Zeit auf Eis gelegt. Wir wollen aber auf jeden Fall weitermachen und die Band wird bestimmt in nicht allzu ferner Zukunft reaktiviert.

Plasmaschwarz
"Ich hatte schon länger Lust auf ein Soloprojekt und auf deutsche Texte."

Otti:
Nun hast Du mit Dich wieder richtig auf der musikalischen Bildfläche zurück gemeldet. Was waren die entscheidenden Gedanken und Momente, die zur Entstehung von Plasmaschwarz geführt haben?

Eva H.:
Der entscheidende Auslöser war, dass ich Anfang 2019 mit einen befreundeten Musiker aushilfsweise und sehr spontan als Keyboarderin einen Gig gespielt habe. Zu diesem Zeitpunkt lag mein letzter Auftritt mit einer anderen Band schon über zwei Jahre zurück. Wieder auf der Bühne zu stehen, hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich auch wieder etwas starten wollte. Der Text für Mein Kopf hat mich dann irgendwann Richtung Sommer 2019 sozusagen angesprungen. Ich hatte schon länger Lust auf ein Soloprojekt und auf deutsche Texte. Der Name Plasmaschwarz schwirrte mir auch schon eine Weile im Kopf herum.

Otti:
Grundsätzlich ist das Ganze ein reines Soloprojekt, richtig? Aber auch so etwas schafft man ja nie komplett alleine... Wer also hat Dir bei den ersten Schritten mit dem neuen Projekt zur Seite gestanden?

Eva H.:
Zuerst habe ich eine ganze Weile im Wohnzimmer allein vor mich hin gebastelt, mit Cubase, DIY-Gesangskabine und meinen Minisynths. Ich hatte vorher noch nie selbst aufgenommen, das war eine anfangs etwas frustrierende und dann zum Glück bald sehr steile Lernkurve. Per-Anders Kurenbach/House of Wax Studio war meine allererste Wahl für Mixing und Mastering. Ich mag seine Musik und einige Bands, mit denen er zusammengearbeitet hat, sehr gern und kannte ihn auch für guten Livesound noch aus Candyslade-Zeiten. Daraus wurde eine sehr schöne Zusammenarbeit, die sich auch bestimmt weiter fortsetzen wird. Außerdem habe ich mich von Anfang an von guten Freunden motivieren lassen, dranzubleiben. Der Support, den ich von außen bekommen habe, hat mich vieles durchziehen lassen, das ich vermutlich ansonsten nicht so schnell durchgezogen hätte.

Otti:
Musikalisch kann man Dein neues Werk wohl grob in Richtung NDW/Minimal/Wave einordnen. War Dir von vorne herein klar, wie das Ganze klingen soll? Und wie hast Du den Sound entwickelt?

Eva H.:
Ich hatte zuerst einen etwas minimal-istischeren Klang im Kopf, aber es wurde dann doch nicht ganz so minimal wie geplant, und der Synthpop brach wieder durch!

Otti:
Das bringt mich dazu, nochmal in die Vergangenheit zu blicken: Wie hast du denn überhaupt einstmals mit dem Musizieren angefangen?

Eva H.:
Ich habe mit 9 angefangen, Klavier zu lernen, mit 11 kam ein Keyboard dazu. Dann der erste Gesangsauftritt im Schultheater und mit etwa 15 die erste Band, danach diverse Coverbands. Ich habe parallel auch traditionelle irische Musik gemacht, solo mit Akustikgitarre, und später mit verschiedenen Bands und bei Folksessions. Ich bin bis heute Teil eines Irish Folk-Duos, mit dem ich nicht mehr aktiv auftrete, aber wir treffen uns ab und zu für Wohnzimmerproben. Candyslade war mein erstes und auch längstes Bandprojekt im Bereich Electropop/New Wave.

Otti:
In Bezug auf Plasmaschwarz, wie gehst Du da generell bei einem neuen Song vor? Also wann und wie entsteht die Musik, und wie verbindet sich das mit den Texten?

Eva H.:
Die Texte sind bei Plasmaschwarz gar nicht so sehr an erster Stelle. Ich konzentriere mich eher auf die Musik, Texte sind anfangs nur in Ansätzen vorhanden, vielleicht eine Zeile oder ein grobes Thema. Bis auf Vollmond über Stahlwerk, an diesem Text habe ich im Vergleich zu den anderen sehr lang gefeilt. Ich kürze auch gern radikal, manches muss einfach mit wenigen Worten gesagt sein.

Otti:
Mit Mein Kopf hast Du jetzt Deine erste EP fertig gestellt. Was daran macht Dich besonders stolz?

Eva H.:
Dass es so schnell ging und ich mich nicht verzettelt habe! Ich habe früher entweder gern endlos aufgeschoben und/oder war sehr perfektionistisch, aber inzwischen erkenne ich für mich den Moment, in dem ein Song fertig ist und kann ihn dann auch so lassen. Deswegen war die EP innerhalb von 6 Monaten fertig, vom Start des Projekts bis zum Bandcamp-Upload.

Otti:
Die fünf Songs haben für mein Empfinden allesamt ein sehr hohes Niveau, was für ein neues Musikprojekt schon beeindruckend ist. Gab es da aussortiertes Material, oder wie hast Du die EP genau soweit reifen lassen?

Eva H.:
Danke sehr! Aussortiertes Material gibt es höchstens in Form von ein paar wenigen, sehr groben Entwürfen, die ich vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt noch verarbeiten werde. Neustart, auf der Reise sein, Fernweh waren für mich zentrale Themen und mein roter Faden für die EP. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis und kann auch gar nicht genügend Loblieder auf Mixing, Mastering & Magic von Per-Anders Kurenbach singen.

Otti:
Deine Texte wiederum spielen sehr mit Poesie und Metaphern, sind zugleich aber vergleichsweise knapp gehalten. Ich vermute mal, der Titeltrack hat da einen besonderen Stellenwert für Dich - darf ich erfahren, was hinter diesem steckt und wovon er inspiriert wurde?

Eva H.:
Ja, der Song hat einen sehr besonderen Stellenwert für mich, aber man kann ihn auf verschiedene Weise interpretieren. Das überlasse ich für diesen Song gern dem Hörer.

Otti:
Gibt es Dichter, Musiker oder sonstige Künstler, die Dich in deiner Lyrik besonders beeinflusst haben?

Eva H.:
Naja, meine Texte sind ja schon eher einfach :-) Ich mag Nena, Ideal, Neonbabies, 2raumwohnung, Großstadtgeflüster... ich lasse mich gern von Texten inspirieren, die die Dinge auf den Punkt bringen. Unerreicht sind für mich als deutsche Texter und Autoren Sven Regener und Peter Hein, da kann ich mich einfach endlos am Umgang mit der Sprache freuen.

Otti:
Auch Meine Stadt darf man sicher eher metaphorisch verstehen, oder? Welches Verhältnis hast Du zu Deiner Heimatstadt?

Eva H.:
Der Text ist durchaus wörtlich gemeint :-) Ich bin eigentlich Wahlkölnerin, wohne aber seit zwei Jahren in Düsseldorf... ich könnte wohl an den Nordpol ziehen und Köln wäre immer noch meine Stadt. Die Leute, die Läden, da fühle ich mich am meisten zu Hause. Ich bin viel und gern unterwegs und in den letzten 20 Jahren auch sehr oft umgezogen. Ich fühle mich am wohlsten, wenn es irgendwo hingeht. Stillstand langweilt mich sehr schnell. Das ist manchmal anstrengend, aber neue Pläne sind mir wichtig. Diese Mischung hat den Song inspiriert.

Otti:
Dein erstes Konzert mit Plasmaschwarz hast Du nun auch absolviert. Wie hat sich das angefühlt?

Eva H.:
Sehr gut, es war ein sehr schöner Abend mit zwei tollen Bands - Tilly Electronics, mit denen ich auch außerhalb der Musik befreundet bin, und Agent Side Grinder, die mir sehr sympathisch waren. Das Kölner Blue Shell war voll, das Publikum bestens gelaunt, ich hatte sehr viel Spaß auf der Bühne und habe mich gefühlt wie ein Fisch im Wasser.

Otti:
Was würdest Du bei zukünftigen Konzerten anders oder gar besser machen wollen?

Eva H.:
Es wird sich bestimmt noch entwickeln, aber erst mal bin ich zufrieden!

Otti:
Auf der anderen Seite, was waren für Dich bisher die schönsten Konzertbesuche als Gast?

Eva H.:
Iggy Pop, Nick Cave & The Bad Seeds, Rufus Wainwright, Fehlfarben, und sehr, sehr oft Gogol Bordello... was irgendwie alles nichts mit dem Genre zu tun hat, in dem ich mich selbst musikalisch bewege. Ich mag es, wenn die Grenze zwischen Band und Publikum verschwimmt.

Otti:
Ich weiß, dass Du auch sehr an Politik und Gesellschaft interessiert bist. Mit Blick auf die Ereignisse jüngst im Thüringer Landtag, was denkst Du darüber?

Eva H.:
Ich finde die politische Entwicklung hin zu längst vergangen geglaubten Zeiten unfassbar und verstörend, und sie macht mich wütend. Wir sitzen auf einem von vielen leider gnadenlos unterschätzten Pulverfass, ich betrachte das sehr beunruhigt, ebenso wie die Entwicklungen in Osteuropa und den USA in Richtung dunklerer Zeiten.

Otti:
Und ist es auch denkbar, dass Themen wie Politik, Umwelt oder ähnliches Einzug in Deine Texte für Plasmaschwarz finden?

Eva H.:
Das ist durchaus nicht unwahrscheinlich!

Otti:
Bleibt zum Abschluss die Frage: Wohin wünschst Du Dir, dass die Reise von Plasmaschwarz in nächster Zeit geht?

Eva H.:
Ich will viel live spielen, viel Neues schreiben, irgendwann ein Album auf Vinyl rausbringen. Das bisherige Feedback motiviert mich sehr und macht mich als Musikerin sehr glücklich, und ich freue mich auf die Reise.

Photos by: yume no yukari photography

Mehr Infos
facebook.com/plasmaschwarz/

Art des Interviews: Email
10.02.2020 by Otti
PLASMASCHWARZ in unserer Banddatenbank

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