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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

Joachim Witt

Gleich mein erstes Interview für Nightshade darf ich mit Joachim Witt führen. Also ein Newcomer im Musikjournalismus vs einen alten Hasen der Branche. Da hoff ich doch mal daß ich mich gut schlage und bedanke mich schonmal im Voraus für die Ehre.

Otti:
Im Januar erscheint deine neue CD. Bayreuth III ist der dritte Teil der gleichnamigen Werkreihe Bayreuth. Was erwartest Du von dem Album?
J.W.:
Dass es Denkanstösse gibt und ein Angebot der nicht alltäglichen Art ist. Das hoffe ich und das war und ist meine Zielsetzung!

Otti:
Auf der CD ist außer deiner Stimme noch gelegentlich die einer Frau zu hören, bei "Die Macht" übernimmt sie sogar den kompletten Text. Leider liegen mir aber nicht allzuviele Informationen vor. Darf man wissen um wen es sich handelt?
J.W.:>
Es handelt sich um Nadja Marie Saeger. Sie begleitet mich seit Bayreuth 1 und ist auch nicht gerade unschuldig daran, dass ich damals die Werkreihe Bayreuth begonnen habe!Sie hat des öfteren schon Texte beigesteuert oder auch mit ihrer Stimme meine Musik bereichert. Nun tritt sie mit der "Macht" das erste Mal in den Vordergrund.

"Ich fühle mich wohl bei dem Gedanken, meine Authentizität nie verraten zu haben!"

Otti:
Wenn ich mir das Album so von vorne bis hinten anhöre hab ich das Gefühl daß sowohl Musik als auch Texte einen von Wut zu einer tiefen Resignation bis zu neuer Hoffnung entwickeln. Ist das beabsichtigt? Vielleicht eine Art Spiegel deiner eigenen Entwicklung?
J.W.:
Alles was ich mache hat meine ganz persönliche Färbung. Mit Abstraktionen halte ich mich im Allgemeinen sehr zurück. Es ist in der Tat eine Mischung von Schwermut,Wut und Hoffnung!
Diese Seelenfarbe ist mir angeboren, sie zeigt sich jedoch je nach Lebensgefühl immer in unterschiedlichem Verhältnis.

Otti:
Allgemein ist Bayreuth III sehr gesellschaftskritisch gehalten. Wieviel Einfluss hat das aktuelle Weltgeschehen und auch die innenpolitische Situation auf dein Werk genommen? Und es gibt ja diese Kampagne "Du bist Deutschland", was denkst Du darüber?
J.W.:
Natürlich beobachte ich die politische Entwicklung genau und da sie sich meiner Meinung nach in die falsche Richtung bewegt, nämlich weg von notwendigen, lebenswerten, sozialen Strukturen, habe ich mit meinen Inhalten ein Signal setzen wollen!"Du bist Deutschland" ist, wie ich finde, eine grundsätzlich gute Aktion, die zwar für meinen Geschmack deutlich zu plump ausfällt, aber die Aufforderung nach mehr Selbstbewusstsein und Identität ist längst überfällig! Ich versuche seit Jahren mit meinen Positionsbeschreibungen dazu beizutragen.

Otti:
Gerade im Song "Menschen" stellst Du sarkastisch provozierend ein Menschenbild dar und vergleichst den Mensch auf eine Weise mit dem Tier daß mir ein Schmunzeln über die Lippen huscht. Gerade diese Art der intelligenten Provokation gefällt mir besonders gut, aber genau das wird es wohl auch sein was oft zu Mißverständnissen führt. Grauts dich jetzt schon wieder vor den unterschiedlich polarisierten Kritiken seitens der Presse?
J.W.:
Mir graut es nicht, weil ich Eines mittlerweile begriffen habe- wenn Du mit Deiner Musik und Deinen Inhalten Position beziehst, verhält es sich wie in der partnerschaftlichen Frage. Passen wir zusammen oder nicht.Ich kann nicht mit jedwedem Menschen freiwillig zusammenleben, entweder es passt, oder nicht! So ist es auch mit der Musik.Man möchte sich mit ihr beschäftigen oder nicht! Sie spricht mich emotional an oder nicht! Eine ganz natürliche Befindlichkeitsentscheidung!

Otti:
Die Werkreihe Bayreuth hat dich 1998 zurück in die Charts gebracht. In einem damaligen Interview sagtest Du daß Du hoffst die Reihe die Jahrtausendwende übersteht. Bereits 2000 erschien Bayreuth II, danach gab es nun aber eine sechsjährige Pause in deren Zwischenzeit stattdessen zwei Alben ausserhalb von "Bayreuth" erschienen. Warum diese lange Pause?
J.W.:
Die Antwort ist relativ einfach! Wo Bayreuth draufsteht muss auch Bayreuth drin sein! Das Gefühl hatte ich beim Komponieren der beiden Vorgängeralben nicht! Sie repräsentieren andere Facetten von mir! Ich vergleiche es gerne mit dem Umweg über eine Seitenstrasse, die aber schließlich auch zum Ziel führt!

Otti:
Ist mit Bayreuth III dieses Kapitel nun abgeschlossen und das ganze zu einer Trilogie geformt oder besteht die Möglichkeit auf ein "Bayreuth IV"?
J.W.:
Wer weiß schon, wie er sich in einem Jahr fühlen wird? Es ist alles vorstellbar, selbst wenn es im Moment abgeschlossen zu sein scheint!

Otti:
Was ist sonst noch für 2006 geplant? Wird es eine Tour geben? Hast Du sonst irgendwelche Pläne? Oder bist Du erstmal vollkommen auf das Bayreuth-Album konzentriert?
J.W.:
Am 26.02.06.werde ich ein Präsentationskonzert im K 17 in Berlin geben, auf dem WGT Treffen in Leipzig bin ich auch dabei.Alles weitere hängt erst einmal von der Entwicklung des Albums ab.

Otti:
Sicher wirst Du es oft gefragt und ich kann mir vorstellen daß diese Fragen so langsam nerven, aber wieviel ist vom Joachim Witt der 80er heute noch übrig? Wie spielen deine musiklaischen Wurzeln, die ja sogar noch in die 70er zurückreichen, heute in Deine Musik hinein? J.W.:
Alles bedingt sich gegenseitig! Von mir ist alles da, was in den 80ern auch schon da war, nur passe ich automatisch meine Musik meinem Lebensgefühl und den technischen Möglichkeiten an! Die Flut hätte in den 80ern anders geklungen, genauso wie der "Goldene Reiter", heute aufgenommen, auch anders klingen würde.
Die Dinge sind so verschieden nicht, nur die Ausdrucksform hat sich verändert!

Otti:
Du bist sowohl Musiker als auch Schauspieler. Wieviel fliesst vom einen ins andere ein? Und wo fühlst Du dich wohler, auf der Theaterbühne oder bei einem Konzert?
J.W.:
Ich fühle mich grundsätzlich auf der Bühne wohl. Das wollte ich immer machen. Am Anfang meiner Laufbahn bin ich allerdings vor Aufregung fast gestorben auf der Bühne!

Otti:
Dein größter Erfolg war unbestritten "Die Flut" mit Peter Heppner. Du hast mal gesagt daß "man so ein herausragendes Ereignis" einfach nicht wiederholen sollte und damit hast Du sicher recht. Aber wie sehr reizt dich allgemein die Zusammenarbeit mit anderen bekannten Sängern, und mit wem würdest Du gerne noch ein solches Lied einspielen?
J.W.:
Mich reizt in erster Linie der Effekt! Was löst die Zusammenarbeit aus! Das ist das Spannende. Zu sehen, wie die Beteiligten und das Publikum reagieren. Sehr interessant eben auch, andere Arbeitsweisen kennen zu lernen. Ein gutes Überraschungsbeispiel ist mein Duett mit Tilo Wolff von Lacrimosa auf Bayreuth 3! Wer rechnet schon damit? Zwei Menschen, die sich irgendwann einmal kennen gelernt haben und sich mögen! Die besten Voraussetzungen für ein Duett!


"Ich konnte es nie ertragen, wenn meine Kinder geweint haben! Es hat mir das Herz zerrissen!"

Otti:
Wenn man sich so über dich informiert und mal ein wenig in früheren Interviews nachstöbert fällt immer wieder auf wie angetan Du von der "schwarzen Szene" bist, wie gerne Du vor diesem Publikum spielst. Sicher würdest Du dich kaum als "Gothic" bezeichnen. Wie genau stehst Du zu dieser Szene in der Du sicher einen großen Teil deiner Fans findest? Was genau hat dich und die Schwarzen zusammengeführt?
J.W.:
Vielleicht der Versuch, seinem Leben einen besonders spürbaren Sinn zu geben? Die Sehnsucht nach dem metaphysischen, allumfassenden Glücksgefühl? Der Schmerz der Erkenntnis?Der nachdenkliche Weg?

Otti:
Deine Heimatverbundenheit hat manche sensationsgeile Journalisten ja sogar veranlasst dich in die rechte Ecke zu reden. Daß das vollkommener Humbug ist brauchen wir wohl nicht weiter zu diskutieren. Was mich aber interessieren würde ist, wo verbringt ein Joachim Witt seine Urlaube?
J.W.:
Urlaub in dem Sinne kenne ich nicht! Ich wurde schon manchmal in andere Länder geschubst, habe mir viel angesehen und es hat mir meistens auch sehr gefallen. In Portugal habe ich mal ein Jahr verbracht und es auch sehr geniessen können.
Ich fühle mich in den Ländern am wohlsten, deren Musik ich mag! Spanien wegen des Flamenco, Portugal wegen des Fado, Brasilien wegen des stillen Sambas. Aber auch orientalische Musik übt auf mich einen ungeheuren Reiz aus! Mein nächstes Ziel soll irgendwann Brasilien sein! Vielleicht nimmt Tilo mich ja mal mit!

Otti:
Du blickst nun auf eine beeindruckend lange und Abwechslungsreiche Karriere zurück. Worauf bist Du stolz? Woran erinnerst Du dich gerne? Und was hättest Du lieber nicht erlebt?
J.W.:
Ich fühle mich wohl bei dem Gedanken, meine Authentizität nie verraten zu haben! Ich fühle mich wohl bei dem Gedanken, nie auf plumpe Kommerzratschläger hereingefallen zu sein und ich hätte meinem Vater gerne noch gezeigt, dass die Musik mein Leben bestimmt! Ich konnte es nie ertragen, wenn meine Kinder geweint haben! Es hat mir das Herz zerrissen!

Otti:
Aus aktuellem Anlass, feiert ein Joachim Witt auch Weihnachten? Und wenn ja wie? Und was denkst Du allgemein über dieses "Fest"?
J.W.:
Ich hatte dieses Jahr das erste Mal keinen Tannenbaum und habe ihn letztendlich auch nicht vermisst, weil ich unterwegs war.Sonst ein geheimnisvolles, spannendes Fest für Kinder! Als Ritual kann es auch ein sehr meditativer und auch ergreifender Anlass sein! Ich habe sehr schöne Erinnerungen an dieses Fest. Gerade auch im Kreise meiner Eltern und Grosseltern, aber das ist lange her!

Otti:
Ach ja, und bevor ich es vergesse... Wo versteckt sich denn nun Gott?
J.W.:
Hinter den Bergen, bei den 7 Zwergen!

Auch bei Joachim Witt möchte ich mich nochmal im Nachhinein für diese Interview-Möglichkeit bedanken. Da die Fragen für dieses Interview bereits im Dezember 2005 entstanden war mir zu der Zeit leider noch nichts vom Duett mit Tilo bekannt, sonst wäre ich da sicher noch genauer drauf eingegangen. ;)
Eine Rezension zum Album Bayreuth III findet ihr hier

Art des Interviews: Email
05.02.2006 by Otti

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