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2. Gothic-Family-Festival im Pulp

Pfingsten steht für die meisten Gothics ja mittlerweile vollkommen in der Tradition des WGT, was sicherlich auch seine Berechtigung hat, da jenes Leipziger Treffen in fast 20 Jahren zu einem der größten Goth-Events der Welt gewachsen ist. Jedoch gibt es viele Menschen in der schwarzen Szene, die Leipzig aus diversen Gründen, gewollt oder zwangsweise, fern bleiben, und dennoch an Pfingsten nicht zu reinen Stubenhockern verkümmern wollen. Dieses Problem haben findige Köpfe erkannt, und so haben sich deutschlandweit ein paar kleinere Alternativveranstaltungen für Gruftis und Gleichgesinnte am Pfingstwochenende entwickelt. Eine davon fand in diesem Jahr zum zweiten Mal statt: Das Gothic-Family-Festival im Duisburger Pulp.

Als familienorientierte Szenecommunity hat Gothic-Family.net erkannt, daß es vor allem für Schwarzkittel mit Nachwuchs nahezu unmöglich ist, einmal quer durch Deutschland zu fahren und vier Tage dem WGT beizuwohnen. Stundenlange Fahrten sind nicht gerade ein Spaß für Kinder, und auch 4 Tage Unterbringung, Verpflegung und Konzertbesuche quer durch eine Stadt verteilt, stellen Gothic-Familien vor oftmals unlösbare logistische Probleme.
Neben dieser "Problemgruppe" gibt es natürlich auch einfach Leute, die das Leipziger Treffen nicht mögen, schlichtweg nicht genug Geld zur Verfügung haben, oder an Pfingsten auch arbeiten müssen. Was lag da näher, als im Ruhrgebiet ein eigenes kleines Festival zu organisieren, welches all diese Zielgruppen anspricht, zudem ein familienfreundliches, preislich mehr als erschwingliches und trotzdem erfülltes Programm bietet?

In Zusammenarbeit mit dem Pulp haben die Verantwortlichen das Gothic-Family-Festival ins Leben gerufen, welches in diesem Jahr in die zweite Runde ging. Neben 7 tollen Acts lag das Augenmerk vor allem auf einem kinderfreundlichen Rahmenprogramm. Kinder unter 12 Jahren hatten freien Eintritt, und jede Band hat sich zudem bereiterklärt, mit den Kids und interessierten Eltern Aktionen durchzuführen, wie z.B. Bastelstunde, Tanzkurs und Fotoshooting. Daneben gab es natürlich auch auf diesem Festival zahlreiche Verkaufsstände für die konsumorientierten Besucher.

Und so war es natürlich besonders schön zu erleben, wie die Kids in diesem Ambiente aufgeblüht sind. Ohne Berührungsängste hat der Nachwuchs mit den Musikern gespielt, in der ersten Reihe vor der Bühne gesessen (natürlich mit Gehörschutz), oder untereinander getobt und gespielt, während die Eltern und anderen Besucher ganz entspannt ihr Festival erleben konnten. Alleine schon dieser Rahmen macht das Gothic-Family-Festival zu einem ganz besonderen Ereignis, welches man durchaus mal besucht haben sollte.


Seelenzorn
Gothic-Family.net
Bei Gothic-Family.net handelt es sich um eine Community, die sich speziell an jene Leute richtet, welche ihren Lifestyle in Sachen Gothic, Mittelalter und Heidentum nicht nur trotz, sondern vor allem auch mit der Familie ausleben wollen. Die Szene ist von einer Jugendkultur zu einer erwachsenen, aus mehreren Generationen bestehenden Gemeinschaft gewachsen, und heutzutage selbst in den großen Medien längst nicht mehr so sehr verschrien wie noch vor ein paar Jahren. Dennoch ist es vor allem für junge Eltern schwierig, familienfreundliche Veranstaltungen und auch sonstige Unterstützung zu bekommen. Diesen Mißstand auszumerzen ist das hehre Ziel der Gothic-Family, und Aktionen wie das Gothic-Family-Festival oder auch gemeinschaftliche Kinderbetreuung auf großen Festivals wie dem Amphi in Köln haben hierzu schon einen entscheidenden Beitrag geleistet.
Viele weitere Infos gibts auf www.gothic-family.net

Kritikpunkt Technik

Bei allem Postiven gibt es zum Gothic-Family-Festival 2009 einen ganz klaren (und einzigen) Kritikpunkt: Die Sound- und Lichttechnik. Zum Licht ist nur zu sagen, daß hier leider viel zu sehr gespart wurde, was es den anwesenden Fotografen bei manchen Bands sehr schwer machte, gescheite Fotos ohne nerviges und athmosphäre-tötendes Blitzlicht zu schiessen. Wenn der Headliner Faderhead zum Beispiel selbst vom Bühnenrand aus fast nur als huschender Schatten zu erkennen ist, dann wirkt das selbst als reiner Zuschauer schwach und unspektakulär. Viel schlimmer noch als die Lichtverhältnisse aber war die Soundabmischung. So waren z.B. Sieben Siegel und Violet so schlecht abgestimmt, daß im Publikumsraum teilweise eher ein Klangbrei zu vernehmen war. Die Sängerin von Sieben Siegel war indes auch zu laut gemischt, wodurch ihr eigentlich zur Musik passender und guter Gesang so penetrant wirkte, daß man etwas guten Willen brauchte um der Band das nich anzulasten. Gröbster Patzer der Tontechniker war jedoch die Lautstärke bei den drei Elekro-Headlinern des Abends. Bei Dolls of Pain dröhnte anfang der Bass dermaßen in den Ohren, daß selbst der Autor dieser Zeilen, als extrem erfahrener Konzertgänger nach kurzer Zeit erst einmal die Flucht ergriff, um keinen Hörsturz zu erleiden. Es sei nochmal betont: Dieses Festival richtete sich speziell auch an Kinder, welche trotz Gehörschutz dennoch sehr empfindliche Ohren haben, auf sowas muß ein Mischer definitiv Rücksicht nehmen!

Geplärr

Am wenigsten unter den Problemen zu leiden hatte wohl noch der Opener des Abends: Geplärr. Bei gedimmtem Licht, Kerzenschein und 2 Instrumenten + Gesang gelang es dem Duo, trotz des großen Pulp-Saals so etwas wie Kammermusik-Athmosphäre zu kreieren. Tatsächlich klangen die beiden Göttinger auch nicht, wie ihr Name vermuten ließ, nach lärmendem Mittelalterkrach, sondern präsentierten mit Akustikgitarre, Violine, Mandoline und Bouzuki meist schwermütig, manchmal auch nahezu rockig vertonte Texte deutscher Lyriker. Allen voran hat es den Beiden wohl Johann Wolfgang von Goethe angetan, was definitiv von gutem Geschmack zeugt - Aber auch insgesamt präsentierten sich Geplärr als angenehme Überraschung und würdevolle Auftaktband. Das Duo plant übrigens gerade für den Herbst eine kleine Nachtkonzert-Tour, hingehen lohnt sich sicher!

Bildergalerie Geplärr

Sieben Siegel

Als zweiter Act folgten dann Sieben Siegel aus Essen, die als halb-lokale Band ihre eigene Mischung aus Symphonic Metal und Gothrock mit weiblichem Gesang präsentierten. Wo es sonst eher die Bassisten sind, die für ihre Verpeiltheit bekannt waren, haben Sieben Siegel anscheinend an diesem Tag einen etwas konfusen Gitaristen gehabt, der die Bühne später als geplant erreichte - Was aber der Motivation der Band keinen Abbruch tat. Kreative und rockige Songs bildeten eine gute Grundlage, um dem noch etwas verschlafenen nachmittäglichen Publikum einzuheizen, und bis auf die benannten Abmischungsprobleme überzeugte die Band durchweg.

Bildergalerie Sieben Siegel

Violet

Besonderen Wert auf eine visuelle Bühnenshow legte die dritte Truppe des Abends: Violet bezeichnen ihre Musik selbst als Mischung aus Gothic, Trip Hop und Folk, und boten neben ihrer eigenwilligen, aber irgendwie einfühlsamen Musik auch reine Darsteller auf der Bühne, deren ausschließlicher Zweck es war, eine Art pantomimisches Theater zu den Songs zu präsentieren. Die zuckersüße Sängerin Bianca war allerdings der unübertreffliche Fixstern der Gruppe, und zog mit schmeichelnden Gesängen und sinnlichem Tanz das Publikum in ihren Bann. Insgesamt machten Violet durchaus eine gute Figur, allerdings wirkte die Band stellenweise ein wenig Zusammengewürfelt, und mancher Musiker gab sich nahezu lethargisch bei vielen Stücken. Nichtsdestotrotz haben Violetviel Potential, welches sie mit mehr Live-Erfahrung sicher auch ausreifen können... Die Ideen, Performeances und innovativen Kompositionen jedenfalls sind ausbaufähig, und von Platte (bzw MySpace) klingt die Musik Violet mehr als angenehm.

Bildergalerie Violet


Violet

Seelenzorn

Erster richtiger Headliner des Abends, und für viele der angereisten Besucher auch Höhepunkt, waren freilich Seelenzorn. Mit einem recht geschickten Trick haben sich die Darmstädter einen breiten Fankreis aufgebaut: Sie geben ihre Musik gerne zum kostenlosen Download auf ihrer Homepage frei. Düsterer Electrorock mit oftmals sexuell orientierten Inhalten ist Programm, und diesen hat Seelenzorn eindrucksvoll auf die Pulp-Bühne übertragen. Energiegeladen und professionell, aber auch mit Witz und ein wenig Selbstironie, performten die Jungs eine Show vom Feinsten, die alleine schon das gezahlte Eintrittsgeld wert war. Ein bisserl seltsam war es allerdings, als Sänger Jens die Latex-Fetisch-Maske überzog, während in der ersten Reihe die Kids begeistert die Show betrachteten... Mancher Elternteil dürfte an diesem Tag noch einen Exkurs ins Thema "Aufklärung" gemacht haben. Wirklich anzüglich war diese Showeinlage jedoch nicht, somit auch nicht wirklich bedenklich, und so kamen große wie kleine Fans beim Gig von Seelenzorn definitiv auf ihre Kosten.

Bildergalerie Seelenzorn(1) Bildergalerie Seelenzorn(2)

Dolls of Pain

Wie bereits erwähnt, musste ich Dolls of Pain Aufgrund des überdimensionalen Lärmpegels größtenteils meiden. Eigentlich schade, denn die bis dato mir unbekannte Band aus Frankreich hatte einiges zu bieten, zumindest bei den paar Songs die mein Gehör ertragen konnte. Das was hängen geblieben ist, und die "Recherche" im nachhinein auf Myspace, zeugt jedenfalls von ausgeklügeltem und gut gemachten EBM.

Bildergalerie Dolls of Pain

Obscenity Trial

Eine angenehme Überraschung waren auch Obscenity Trial aus Köln. Rein elektronische Pop- und EBM-Klänge bilden das Repertoire der Band um Sänger und Mastermind Oliver Wand, welches Live auf dem Gothic-Family-Fest definitiv ein genussvolles Erlebnis war. Und selbst wer die Band eigentlich nicht kannte war spätestens mit dem genialen Cover von Seven Nation Army im Musikrausch gefangen - Obscenity Trial haben ihre Position als zweiter Headliner mit Bravour erfüllt, und an diesem Abend sicher einen Haufen neuer Fans dazu gewonnen.

Bildergalerie Obscenity Trial


Obscenity Trial

Faderhead

Der absolute Hauptact war gleichzeitig die einzige Band, die mir persönlich vorher schon gut bekannt war, und auf die ich mich besonders freute... Auch wenn "Band" übertrieben ist: Faderhead ist wohl eher als Soloprojekt zu verstehen, wenngleich auf der Bühne noch der obligatorische "Live-Keyboarder" mit von der Partie war. Faderhead, der im vergangenen Herbst mit seiner neuen Scheibe FH3 für Furore sorgte, rockte auf der Bühne einen Hit nach dem anderen runter, fegte dabei unermüdlich über die Stage und heizte seinen Fans kräftig ein. Egal ob TZDV, Electroslut Extraordinaire oder Acquire the Fire, kein Fanwunsch blieb ungehört, wodurch sich der Platz vor der Bühne sich schlagartig in einen einzigen Tanzkessel verwandelte.

Bildergalerie Faderhead

Fazit

Nach dem Festival gab es noch eine Aftershowparty, welche insofern mal ganz amüsant war, da die Musik sich zunächst im schwarzen Bereich bewegte, das Publikum aber zu einem großen Teil auch aus dem typischen, eher bunt-alternativen Freitags- und Samstags-Publikum des Pulp bestand. Insgesamt war das 2. Gothic Family Festival in jedem Fall ein tolles Erlebnis, welches auch bei den beteiligten Bands und fast allen Besuchern in guter Erinnerung bleiben wird. Der Mut der Veranstalter zu neuen Wegen hat sich ausgezahlt, und eine dritte Auflage im nächsten Jahr ist definitiv Pflicht!

10.06.2009 by Otti

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