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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

Omnia: Der Geist der Freiheit

Omnia sind längst zu einer meiner absoluten Lieblingsbands geworden, das muss ich einfach mal ganz deutlich sagen. Egal ob von CD oder Live, die niederländischen Folker machen einfach immer wieder Spaß, vermitteln dabei aber auch wichtige, ernsthafte Inhalte. Gerade haben sie mal wieder ein neues Album veröffentlicht, Musick and Poëtree nennt sich das Teil. Ein guter Grund um auch gleich mal wieder ein Interview zu führen, bei dem mir Frontmann Steve ein paar interessante Einblicke gewährt hat.


"Tue was Du willst, aber schade niemandem."

Otti:
Hallo Steve, fast genau ein Jahr ist es her, seit ich euch zu Wolf Love interviewt habe, jetzt habt ihr mit Musick and Poëtree ein weiteres Werk nachgelegt. Das ging wahrlich schnell! Darf man diesen Veröffentlichungsdrang als positiven Nebeneffekt der neu definierten Freiheit von Omnia sehen?

Steve:
Wir veröffentlichen jedes Jahr mindestens eine neue CD, seit wir im Jahr 2003 begonnen haben, unsere eigenen Arbeiten zu veröffentlichen. Wir fühlen uns also immer frei genug, zu komponieren und aufzunehmen wie eh und je.

Otti:
Wichtigster Kerngedanke dabei scheint zu sein, dass Omnia mehr ist als nur Musik. Es ist euer Leben und eure Weltsicht, die sich sicherlich nicht auf eine Kunstform beschränken lässt. Um es noch einmal für unsere Leser zu verdeutlichen: Was bedeutet Omnia für euch genau?

Steve:
Omnia ist die Stimme derer, die ni ht sprechen können, zum Beispiel: Die Tiere, die Bäume, die lebendige Erde etc. Es ist eine Botschaft der Freiheit und des Respekts (echten Respekts) für den Geist des Lebens. Es ist Jennys und meine Religion ebenso wie unser tägliches Brot. Die Musik von Omnia ist weniger komponiert sondern uns eher "gegeben" durch die Energie des Lebens als solchem, einfach weil unsere Gedanken und Herzen offen sind. Wir lieben die Natur, wir hassen Menschen-Affen.. ;-)

Otti:
Etwas verwunderlich ist zunächst die Aufteilung des Albums auf zwei CDs. Erst wenn man die thematische Trennung erkennt, versteht man diesen Schritt. Wie seid ihr denn generell an die Entwicklung von Musick and Poëtree herangegangen?

Steve:
Jenny und ich sind es gewohnt, mit einer Band zu arbeiten (wie wir es nun viele, viele Jahre lang gemacht haben), daher ist Disc 1 das Ergebnis der Arbeit mit Philip sowie Daphyd und Maral (unsere neuen Bandmitglieder). Sie enthält den Omnia-Geist und die Texte und Klänge die wir schrieben drückenunsere Gefühle und Gedanken direkt aus.
Disc 2 zeigt was passiert wenn Jenny und ich die Musik spielen, mit der wir aufgewachsen sind, es ist eine kleine Sammlung von den Songs die wir lieben und respektieren, die andere geschrieben haben. (Wir geben auch spezielle "Solo"-Shows mit dem Material). Es ist sehr wie die softeren Stücke von Omnia die wir in der Vergangenheit aufgenommen haben, wie The Raven, Wheel Of Time, Old Man Tree usw, und wir finden sie ergänzen sich gut mit den anderen Werken auf dieser Doppel-EP.

Otti:
Ein sehr markanter und eingängiger Song auf Musick and Poëtree, den ihr auch schon vorher mehrfach live performt habt, ist I Don´t Speak Human. Wenn ihr nun den Tieren dieser Welt das Verhalten der Menschen erklären müsstet, was würdet ihr ihnen sagen?

Steve:
Wenn ich den Tieren und dem Planeten erzählen könnte, warum die Leute so blinde, dumme Arschlöcher sind, würde ich sagen: "Sorry Leute, der Homo Sapiens gehört einfach nicht hier hin, wir sind nur eine wilde Seuche, wir werden euch endgültig vernichten. Wenn es also einen Weg gibt mit dem ihr 99% der Menschheit ausrotten könnt, dann macht es! Und macht es schnell!" (Das ist übrigens das, was ich dem Planeten so oft sage, wie es geht.)

Otti:
Die Freiheit ist euch ein wichtiges Thema, wie auch das Stück Free wieder einmal unterstreicht. Nun könnte man, je nach Standpunkt, auch behaupten, dass ein freier Mensch auch die Natur ausbeuten kann, wenn es ihm beliebt. Wo seht ihr denn die Grenzen der Freiheit eines Individuums?

Steve:
Ein typisch menschlicher Standpunkt ist es, jedes gegebene Statement in die Abgründe der Lächerlichkeit zu ziehen. Aber ich verstehe, warum Du das fragst. Ja... totale Freiheit könnte auch die Freiheit meinen zu vergeewaltigen, zu stehlen, in den Hut deiner Großmutter zu scheißen, den dummen Massen ihre Stimmen und ihr Geld abzuziehen oder die natürlichen Resourcen unseres Planeten auszubeuten. aber natürlich ist das nicht das, was wir meinen. Die Freiheit von der wir singen ist die Freiheit von vorgefassten Ideen, die uns sagen, wie wir zu leben und uns zu verhalten haben. Die meisten dieser Auffassungen wurden zur Realität durch verschiedene diktatorische Institutionen, wie die monotheistischen Religionen, die Königsfamilien Europas, die Bankgesellschaften, die diversen "Regierungen" etc., lassen keinen Raum für individuelle Entdeckungen, Wachstum und Originalität.
Daher glauben die Kids es sei wesentlich sicherer in der "Masse" zu bleiben, selbst wenn dadurch gefolterte Tiere Schmerzen erleiden, Hexen verbrannt werden, die Länder anderer beraubt werden usw. Oder welches Gift auch immer gerade populär ist. Für uns ist Freiheit eher sowas wie: "Tue was Du willst, aber schade niemandem."

Otti:
Sehr beeindruckend ist auch eure Version des Mercy Seat vom großartigen Nick Cave. Wie kann es denn sein, dass in einer angeblich zivilisierten Welt wie unserer noch soviele Länder zu solch archaischen Mittel wie der Todesstrafe greifen?

Steve:
So lange Regierungen dulden, dass unschuldige Zivilisten um des Öls oder irgeneiner anderen Form des Geldes willen bombardiert werden, werden sie sicherlich auch akzeptieren, dass einige ihrer Bürger getötet werden, um zu unterstreichen wer gerade die Macht hat. Und noch etwas... So etwas wie eine "zivilisierte Welt" gibt es nicht, wir sind jederzeit gerade mal 24 Stunden von totaler Anarchie und Barbarei entfernt.

Otti:
Im Booklet ist zu lesen, dass ihr (Steve und Jenny) in den letzten zehn Jahren niemals mehr als 6 Stunden voneinander getrennt wart, das klingt unfassbar. Sicherlich gibt es aber doch auch mal Momente, in denen ihr beide streitet oder euch auf die Nerven geht, oder? Wie geht ihr mit so etwas um?

Steve:
Wir streiten nur sehr selten über irgendwas (normalerweise hat das dann mit Stress aus dem Musikbusiness oder übermäßigem Input durch die moderne Welt zu tun). Wenn es dazu kommt, dann lösen wir es in sehr kurzer Zeit (Minuten), da wir uns gegenseitig sehr respektieren und in unseren Herzen und Seelen erkannt haben, dass wir uns wirklich lieben, also wollen wir auch nur das Beste füreinander. Ich muss allerdings auch sagen, dass Jenny ist wirklich eine einzigartige Person ist und ich nie mit jemandem talentierteren und coolerem zusammen war... (Wahre Liebe exisitiert und man nennt es "Stenny")

Otti:
Im Laufe dieses Jahres konnte ich zum Glück schon mehrere Shows von euch erleben, und ich fand es immer wieder wundervoll. Was waren denn für euch die schönsten Live-Erlebnisse 2011 bisher?

Steve:
Ich kann dir sagen, dass wir in 2011 besonders die ganzen Gigs in Deutschland genossen haben: Das Festival Mediaval in Selb, wo Jenny und ich erst einen Solo-Gig auf der Hauptbühne gaben, und dann einen genialen Auftritt am Abend vor einer riesigen Menge! M´era Luna war irgendwie besonders, weil deren Bühne so beeindruckend riesig ist, wir konnten überall herumlaufen, weil da soviel Platz war. Und unsere letzte Deutschlandtour war ebenfalls großartig, speziell mal wieder nach Berlin zu kommen, wo ich mal lebte als es noch WEST-Berlin war... (Deutschland ist ein toller Ort zum Spielen, mit sehr enthusiastischen und freundlichen Leuten!)


"Humor ist wichtig, denn er öffnet Geist und Seele für Anregungen"

Otti:
Sehr amüsant fand ich ja deinen Kommentar auf dem M´era Luna zum Latex-Geruch eines Gothic Festivals am Morgen und zu den deutschen Zöllnern, die so gerne Interesse an seiner Unterhose zeigen, das zeugt von eurem unvergleichlichen Humor. Wie wichtig ist es für euch, eine ausgewogene Mischung zwischen Spaß und ernsthaften Themen zu finden?

Steve:
Menschen (und besonders BANDS) nehmen sich selbst viel zu ernst, wir nicht... Darum lachen wir gerne über die Welt und uns selbst. Humor ist wichtig, denn er öffnet Geist und Seele für Anregungen, was es uns leichter macht unsere Botschaft ins Publikum zu bringen. Zudem ist es uns wichtig, eine Balance zwischen die wirklich ernsten und oft depressiven Songs die wir spielen, und dem "Spaß" den Leute auf einem Konzert erwarten zu schaffen.

Otti:
Und zum Schluss noch die Frage: Wohin wird der Weg von Omnia euch in den nächsten Monaten führen?

Steve:
Unsere Straße entsteht stets vor uns, wir können nie gewiss sein was passieren wird. Aber momentan nehmen wir eine Konzert-Auszeit, Jenny und ich suchen nach einem größeren Haus zum Leben (in Deutschland). Wir organisieren die geschäftliche Seite von Omnia mittlerweile etwas besser (da waren wir in den letzten Jahren etwas zu vertrauensselig und naiv) und wir genießen das Leben! Im Dezember werden wir wieder erste Konzerte geben und ab Februar starten wir wieder eine Deutschlandtour!

www.worldofomnia.com

Art des Interviews: Email
19.10.2011 by Otti
Omnia in unserer Banddatenbank

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