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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

Love Like Blood: Auf den Spuren der Vergangenheit

Es gibt Gelegenheiten, die kann man sich einfach nicht entgehen lassen... Schon gar nicht ein Interview mit Love Like Blood! Kurz vor dem diesjährigen WGT kam die Anfrage, ob hierzu nicht Interesse bestünde, und ein Otti lässt sich da natürlich nicht zweimal bitten. Schließlich geht es hier um DIE deutsche Gothic Rock-Legende der 90er, eine Band die wie kaum eine andere eine ganze Generation von Schwarzkitteln geprägt hat, und die seit gut 10 Jahren nun von der Bildfläche verschwunden war. Kurz vor ihrem ersten Konzert nach einer Dekade der Abstinenz traf ich die beiden Brüder Gunnar und Yorck Eysel in Leipzig, um mit ihnen die Gründe für die Rückkehr zu durchleuchten und die Geschichte von Love Like Blood noch einmal in den Fokus zu rücken. Es entwickelte sich ein interessantes Gespräch über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft...

Otti:
Erst mal ganz grundsätzlich die Frage: Ihr hattet euch ja schon aufgelöst, also nicht in Luft aufgelöst, aber ihr hattet gesagt uns gibt es erstmal nicht mehr. Wie hat sich das überhaupt zugetragen, dass ihr gesagt habt, wir spielen noch einmal das eine Konzert und zeigen uns nochmal?

Gunnar:
Der Michael Brunner hat uns ausgegraben.

Otti:
Er hat euch ausgegraben? Also er hat euch einfach angerufen?

Gunnar:
Der hat sich quasi auf die Suche gemacht nach den Bands, die damals, ich glaube damals hieß es auch noch gar nicht WGT, aber es war das Initial-Festival, gerockt haben. Da hat er uns aufgetrieben und gefragt "Hallo,kommt doch noch mal auf die Bühne". Da war das erstmal so ein Überraschungsmoment wo man erstmal aussortieren musste, und da haben wir das als eine einmalige Gelegenheit empfunden zusammen mit dem WGT das 20jährige zu feiern und gleichzeitig was nachzuholen, was wir vergessen haben.


"Wir haben nach Auftrittsmöglichkeiten geschaut und möglichst jedes Wochenende. Egal wohin."

Otti:
Ein Abschiedskonzert würde ich mal sagen.

Gunnar:
Ja quasi zu sagen: "Ok Leute, this is it". Auch irgendwo sind es verständliche Vorwürfe wenn jemand sagt "Hallo euch gibts doch gar nicht mehr, in eurem Status und auf eurer Website steht immer noch das und das", und du kommst dann nicht in Erklärungsnöte. Etwas, was ja auch schwer zu erklären ist, denn wir haben uns ja nicht aufgelöst, wir treffen uns, wir sehen uns noch, aber wir haben im Lauf der Jahre einfach verpasst den Stecker wieder rein zu stecken.
Nach 10 Jahren im Off Modus da haben wir gedacht was gibt es besseres, als zusammen mit dem WGT noch einmal zu feiern. Wir waren damals bei der Stunde Null dabei, dann lasst uns doch das 20jährige nehmen um WinkeWinke zu sagen.

Otti:
Aber das hört sich so an, als wäre es kein endgültiger Abschied.

Gunnar:
Schön wäre es.

Yorck:
Warum nicht?

Otti:
Weiß ich ja nicht. Wollt ihr es wirklich?

Yorck:
Klingen wir so motiviert?

Otti:
Ihr seht auf jeden Fall motiviert aus!

Gunnar:
Es ist ganz einfach...

Yorck:
Wir geben uns wirklich alle Mühe!

Gunnar:
Es ist wirklich ganz einfach. Wir arbeiten auf nichts anderes hin. Wir nehmen die Chance wahr, wir sind in der Form auch dankbar, dass wir diese Bühne bekommen um das zu zelebrieren. Wir leben so wie damals im Moment und es gibt keine, weder falsche noch ehrliche, Hintergedanken.
Was nächstes oder übernächstes Jahr passiert kann ich nicht sagen. Ich kann es nicht versprechen. Dieser typische Spruch lautet ja: "Man soll niemals nie sagen".

Otti:
Das finde ich jetzt aber eine gute Aussage, weil viele Musiker ja sagen, wir sind jetzt weg vom Fenster, und nach einem Jahr sind sie doch wieder da.

Gunnar:
Aber auf der anderen Seite sind wir so ehrlich, dass wir sagen, dass es kein Comeback ist. Es ist auch aktuell von unserer aktuellen privaten Situation her so, dass wir momentan kein Comeback anstreben. Wenn wir heute Abend tot von der Bühne fallen... Es macht uns Spaß, sonst würden wir heute Abend nicht da sein. Aber es ist einfach so: Wir machen kein Comeback, wir versuchen einen ehrenvollen Abschied und eine ehrenvolle Geburtstagsparty zu zelebrieren. Alles weitere ist die Zukunft und die haben wir nicht in der Hand.

Yorck:
Aber was man vielleicht sagen kann, dass der Abschied heute beginnt, aber wir haben uns nicht drauf festgelegt, dass er exakt heute Abend beendet ist.

Otti:
Könnte also sein das es sich noch 2-3 Jahre zieht und ihr dann erst sagt es ist Schluss?

Yorck:
Das jetzt nicht. Wir sind jetzt so weit, dass wir wieder am Start sind und die Songs noch mal live spielen. Und sind auch in der Lage, wenn uns jemand z.B. nach Mexiko einlädt, auch da die Show noch mal als Abschiedsshow zu spielen.

Otti:
Die Vorbereitung wäre ja auch viel Arbeit für ein einzelnes Konzert.

Yorck:
Heftige Arbeit.

Gunnar:
Wir arbeiten seit einen Dreivierteljahr auf diesen Moment hin.

Otti:
Auch wieder mit neuen Musikern?

Gunnar:
Ja. Unser letztes Konzert war 1999, unsere letzte Platte 2001. Wir schreiben jetzt das Jahr 2011 und 10 Jahre gehen nicht spurlos an einem vorbei. Wir haben uns rein kämpfen müssen und uns erst wieder zusammen raufen müssen. Unser Repertoir selber das ist so ein bisschen wie Kinderlehre, wie Fahrrad fahren, das war sehr schnell da. Aber dass man wieder auf einen gewissen Status kommt wo man sagt, "das ist Love Like Blood das ist das was wir vor 10 Jahren gemacht haben", das ist ganz schon viel Arbeit.

Otti:
Habt ihr zwischendurch denn auch noch Musik gemacht, oder zumindest ihr beiden die Song zusammen gespielt, dass es irgendwie drin bleibt? Oder musstet ihr jetzt auf 10 Jahre zurück greifen?

Yorck:
Ja

Otti:
Also ihr habt zwischendurch nicht geprobt?

Yorck:
Nein, keine heimlichen Proben.

Gunnar:
Und zur vorhergehenden Frage: Wir haben keine Pläne von Recallings in der Schublade liegen. Ich habe auch noch mit Michael geredet dass wir keine Intention haben zu einem Pseudo-Comebackversuch. Ich freue mich über jedes Feedback, der Yorck und die ganze Band genauso. Aber was daraus entsteht, kann ich erstmal nicht sagen. Für uns ist erstmal der Finale Punkt erreicht.

Otti:
Was habt ihr denn die letzten 10 Jahre gemacht, dass für euch die Musik erstmal ins Hintertreffen geraten ist?

Gunnar:
Wir hatten zwei schwere Tourneen hinter uns, die trotzdem wirklich Spaß gemacht haben. Aber dann kamen auch immer noch Kleinigkeiten hinzu. Um das Jahr 2000 wurde auch der Musikmarkt immer schwieriger und wir hatten 15 Jahre auf dem Buckel. Ich weiß nicht ob es so magische Jahreszahlen gibt wo man denkt man sollte auch mal eine Pause machen. Aus dieser Pause hat man das dann ausklingen lassen. Man wollte kurzzeitig den Stecker ziehen und hat dann nicht mehr zurück gefunden. Nicht zurück gefunden, weil Yorck auch seit über 10 Jahren in der Musikbranche als Manager tätig ist. Ich habe mein Business genauso nebenher und dann ist man auch anders fokussiert und die Zeit rast vorbei. Wir haben damals gesagt, ich ruf wieder an, wenn ich die Gitarre wieder in die Hand nehme und neue Songs schreibe, und dann merkt man, dass das ja schon vor 2 Jahren war, als man den Spruch raus gehauen hat.

Otti:
Wirklich was neues habt ihr für heute denk ich mal nicht vorbereitet. Ein Spezialsong wäre jetzt eine Idee gewesen.

Yorck:
Es kann sein das wir was spielen was wir noch nicht Live gespielt haben das könnte passieren, oder?

Gunnar:
Das könnte passieren! Die andere Geschichte ist ja wer kennt den Love Like Blood überhaupt noch?

Otti:
Ich glaub mehr als man denkt!

Gunnar:
Das weiß ich nicht, für uns ist das eine ganz große Unbekannte. Ich glaube, dass der Anlass heute Abend, und unser Grund warum wir heute Abend auf der Bühne stehen, und wenn die richtigen Leute da sind heute und uns noch kennen und mitmachen, genau das, ist wo man die "Alten Zeiten" noch mal zelebrieren kann.

Otti:
Klingt aber jetzt etwas so als wäret ihr nervös, als wäre es das erste Mal.

Gunnar:
Na das ist ja logisch. Steh du mal nach 10 Jahren wieder auf der Bühne! *lacht*

Otti:
Ich muss dazu sagen, das ist bei unserer Band auch angedacht...

Gunnar:
Ach, machst Du auch Musik?

Otti:
Hab ich mal gemacht, aber ehrlich gesagt, ich hab mein Instrument auch mehr als 10 Jahre nicht mehr in der Hand gehabt.

Gunnar:
Eine gesunde Nervosität heißt immer, du bist konzentriert und fokussiert. Das andere ist aber, wir wissen ja nicht was uns heute Abend erwartet. Wir werden auf jeden Fall die Bühne rocken soweit sich das Wave Gothik Treffen rocken lässt. Ich denke, so einigen wird die Kinnlade heute Abend runter fallen.

Otti:
Ich bin mal gespannt. Ich werde ja da unten stehen.

Gunnar:
Ich hoff, ich habs Maul nicht zu weit aufgerissen.

Otti:
Wonach habt ihr euer Set denn ausgewählt? Einfach danach was früher schon in den Clubs lief oder macht ihr einfach mal einen Querschnitt?

Yorck:
So ziemlich der Querschnitt ist es.

Gunnar:
Ein bisschen Feedback aus dem Web von den alten Freunden und Fans. Wenn man 15 Jahre On Stage ist hat man seine Klassiker. Wenn du jeden Einzelnen fragst, wird man nie allen gerecht, auch damals schon nicht. Neue Songs dauern immer etwas, bis man die etabliert hat. Es kristallisieren sich immer bei bestimmten Tourneen Songs raus, bei denen man dann weiß, dass sie funktionieren. Ich denke wir haben eine gute Auswahl getroffen.

Otti:
Ich hoffe, es wird lang, ich will noch ordentlich feiern heute!

Gunnar:
Ja, wir auch!

Yorck:
Ich hoffe, du bist noch am Start um die Uhrzeit!

Otti:
Ja,das hab ich versprochen,vielleicht bin ich dann der eine, der am Schluss mit der Fahne winkt. Aber den Bezug zu Szene hattet ihr die ganze Zeit, oder? Also ihr habt wirklich gesagt Gothic und Metal, das ist unser Ding? Zwischendurch Familie?

Yorck:
Klar war zwischendurch Familie angesagt. Die Zeit war gut ausgefüllt, aber die Sachen kann man gut verbinden. Das eine schließt das andere ja nicht aus.

Otti:
Ich sag ja gerne, die Gothic Szene ist eine, in der man alt werden kann.

Yorck:
Ja,warum auch nicht. Also gegen das Alter spricht schon mal gar nichts.

Gunnar:
Aber es ist nicht so intensiv wie vor 10 Jahren. Aber da muss auch jeder ehrlich zu sich sein. Ich wäre froh wenn ich noch auf jedes Festival gehen und überall rum springen könnte. Wenn man älter wird, sagt man "Ich habs schon mal gesehen" und es relativiert sich alles. Es wäre ja falsch zu sagen, dass man immer noch so präsent und aktiv überall zu sehen ist wie vor 20 Jahren.

Otti:
Wenn ihr euch jetzt mal hier umschaut, in meinen Augen haben sich die Leute ja sehr verändert in den letzten Jahren. Was hat sich in euren Augen positiv so wie auch negativ verändert?

Yorck:
Ich war so lange jetzt nicht hier,ich kann da gar keinen Vergleich ziehen.

Gunnar:
Ich weiß nicht ob es positiv ist, aber ich glaub Style und Outfit sind viel mehr wert, dieses Präsentieren desselben, auch speziell jetzt auf dem WGT. Ich selber finde es faszinierend und geil. Auf der anderen Seite ist es auch so ein Ding wo wir als Band auch mit gekämpft haben, weil wir selber nicht ganz so "superfreaky" waren. Meiner Meinung nach ist die Szene sehr ruhig geworden.
Wir sind Musiker und ich beurteile Musik dann auch immer danach was sich bewegt. Man sieht es dann auch an den Verkaufszahlen und Charts und da ist es im Vergleich zu den 90er Jahren ruhig geworden. Lacrimosa waren in den Top 10 in Deutschland.

Otti:
Gut, wenn man sich dann aber Unheilig im letzten Jahr anschaut...

Gunnar:
Ja, ganz groß!

Otti:
Wenn man es jetzt genau nimmt ist es ja schon salonfähig geworden. Als ihr angefangen habt, zu der Zeit wurde man ja noch skeptisch beäugt als Grufti. Aber wenn es heute richtig promoted wird, wirds auch von der Masse angenommen.

Gunnar:
Das schon.

Yorck:
Früher hatten wir ja auch Schwierigkeiten, Magazine zu finden wo wir unsere Tapes hin schicken konnten. Da gabs das Zillo, aber halt nicht viel anderes.


"Nach 10 Jahren im Off Modus da haben wir gedacht was gibt es besseres, als zusammen mit dem WGT noch einmal zu feiern."

Otti:
Auch das Internet nicht, wo sich ja jetzt fast jeder zum "Journalisten" berufen fühlt.

Gunnar:
Ich glaube trotzdem, wen man die berühmte Breite nimmt, da gibt es dann die Ausnahmen wie Unheilig, die ganz kommerziell im Fernsehgarten spielen, da bin ich dann schon wieder ganz weit weg. Dann bleibt da noch ganz viel Underground. Was mir fehlt, ist die gesunde Mittelschicht. Ich zieh dann dummerweise immer den Metal so her. Da gibts alles von Underground über Mitte bis zu den Top Sellern. Da ist es vielschichtiger, was ich in Bezug auf die Gothicszene ja schade finde.

Otti:
Was ich gerade beim Gothic vermisse ist die Nachwuchsförderung. Es gibt kaum Undergroundkonzerte .

Gunnar:
So wie wir Ende der 80er Anfang der 90er gekämpft haben wie die Vollidioten. Wo gesagt wurde "Was willst denn du, du verkaufst eh keine Platten" und wir trotzdem mit viel Enthusiasmus gekämpft haben.

Yorck:
Das liegt aber auch mit an den Bands. Viele haben heute eine falsche Vorstellung davon, wie man an Fans kommt. Manche denken das macht eine Plattenfirma oder die Radio- und TV-Stationen oder die Magazine. Klar haben wir auch unsere Tapes zu den Magazinen geschickt, aber ja nicht um Kassetten zu verkaufen, sondern um bekannter zu werden. Das geht heute durch das Internet viel einfacher.
Dann wurden erstmal Konzerte gespielt, und dann entscheidet es sich: Kommen die Leute, und kommen sie beim nächsten mal wieder? Wir haben nach Auftrittsmöglichkeiten geschaut und möglichst jedes Wochenende. Egal wohin.

Otti:
Wahrscheinlich dann auch ohne irgendwelche Ansprüche erstmal.

Gunnar:
Das sind jetzt so die ganzen alten Storiess die jetzt so hoch kommen. Uns hat 2 Wochen vorher der Extasy Club Berlin angerufen, ich glaub es war 1989, und gefragt ob wir beim Christian Death spielen können für eine Kiste Bier. "Klar, machen wir" haben wir geantwortet.
Wir sind mit unserem scheiß Van hoch gefahren, scheiß auf die Kiste Bier... aber es war voll geil!
Oder der State of the Art Club Köln ruft an "Wollt ihr Support Act spielen? Es gibt was zu essen und pennen" - "Klar machen wir". Das ist halt die Attidüde, wo man halt mit kämpft und eins gibt dann das andere. Aber ich kann 2011 nicht mit 1990 vergleichen. Die Subkultur war viel, viel größer, es gab viel mehr Clubs usw.

Yorck:
Das Freizeitverhalten von jüngeren Generationen hat sich Komplett geändert. Wir haben früher Platten gesammelt. Heutzutage gibt es das Internet, Gamekonsolen und PCs Die ganze Jugend hat früher Konzerte gemacht, was es heute nicht mehr gibt. Kann sich einfach keiner leisten.

Gunnar:
Damals waren noch die Toten Hosen in Jugendhäusern unterwegs oder andere Punk Bands

Yorck:
Heute kann man sich eben nicht ein Konsolenspiel und 2 CDs im Monat leisten.

Otti:
Das ist ja auch so ein Thema. Früher gab es keine großen Festivals, heute spart man sich das Geld zusammen für ein Festival wo man gerne hin will, oder für maximal 2-3 im Jahr. Was natürlich schade ist, dass keiner sagt wir machen mal kleine Konzerte und wenn es für nen Appel und nen Ei ist, das fehlt. Vieles dreht sich heute leider ums Geld. Früher gab es Clubs in besetzten Häusern, denen war es egal, hauptsache sie bekamen Aufmerksamkeit.

Gunnar:
Viel Idealismus war das. Ich weiß noch, dass viele Veranstalter in Clubs durch mich nicht eine müde Mark verdient haben. Da wurde gesagt, man kompensiert das wieder im Laufe des Monats und die haben Konzerte gemacht. Man findet nur ganz wenige die noch sagen, das ist eine Herzensangelegenheit, das muss ich machen, die Musik als Freizeitgestaltung und Herzblut sehen.

Otti:
Das Problem ist ja auch das Internetzeitalter. Die Leute laden sich die Musik und konsumieren ganz anders. Ich vermute ja auch mal, dass sich viele Nachwuchsbands darauf ausruhen.

Yorck:
Ich hab aber auch den Eindruck, dass sich viele erst durchs Internet entscheiden, ob sie eine Band live sehen wollen, durch Live-Ausschnitte von Konzetren, die man im Internet gesehen hat. Bei uns war es noch so, da kam irgeneine Gitarrenrock-Band aus England nach Geislingen und wir sind dann einfach hingegangen. Früher ist man einfach hingegangen und hat sich vor Ort entschieden, ob man die Band gut findet oder nicht. Da hat man das Angebot einfach genutzt.

Otti:
Yorck, du bist ja auch im Musikbusiness tätit. Ist es aber nicht so, dass hier das Internet etwas vernachlässigt wird?

Yorck:
Den Eindruck hab ich überhaupt nicht.

Otti:
Also meine Erfahrung ist es, dass zumindest die großen Plattenfirmen, und viele von den mittleren, immernoch sagen, das Internet sei böse und so.

Yorck:
Die Musikindustrie hat hinterher gehinkt, sagen wir es mal so.

Gunnar:
Vor ein paar Jahren nannte man das "neue Medien", was ich immer sehr lustig fand als Beschreibung. Als Promotion- und Public Relations-Plattform wurde das schnell genutzt, aber dass man über das Internet Musik verkaufen kann, dass das die Zukunft ist, da ist man hinterher gehinkt.
Und gleichzeitig kam dann auch noch eine Stagnation in der Branche selber, das ist dann umso schlimmer. Wenn man neuen Technologien hinterher hinkt und gleichzeitig deine Branche auch eine Stagnation zu verkraften hat, das tut doppelt weh. Und was fehlt dann? Geld! Da wird dann zwar nicht nur auf Nummer sicher gemacht, aber vieles einfach ausgedünnt und eingespart.
Und was viele übersehen: Von 1990 bis 2000, das waren richtig fette Jahre, da wurden jeden Monat so viele neue Alben und CDs veröffentlicht. Wir sind zugeschissen worden, das ist immer angewachsen, weil die Nachfrage auch groß war. Dann kam auf einmal der Cut, die neuen Technologien, da kamen die Spielekonsolen, da kam das Internet, da kam der PC... Da hat sich die Freizeitgestaltung der Teenis geändert. Die kaufstärkste Kraft der Musikbranche liegt zwischen 16 und 24 Jahren. Und dann ändert sich der Zeitgeist... Das ist ja auch noch so ein Faktor. Was war die letzte Früher war musikalische Revolution, ich glaub Techno?

Otti:
Tatsächlich, ja...

Gunnar:
Ich weiß es nicht genau, aber früher war Musik auch sehr viel mit sozialen Systemen, mit Bewegungen und mit politischen Statements verbunden. Punk und Batcave waren ja mehr als nur reine Unterhaltungsmusik. Das hat sich alles geändert.
Die Musikindustrie heute hat sich so langsam drauf eingestellt. Aber dass man Musik einfach so raus haut und hofft, dass es sich verkauft gibt es nicht mehr. Die Spaßzeiten sind vorbei.

Otti:
Ihr habt ja einiges an Erfahrung angesammelt bis heute.Wenn ihr jetzt nochmal zurück schaut mit der Erfahrung von heute. Gibt es da was, wo ihr sagen würdet das war ein Fehler?

Yorck:
Ich glaube das wäre jetzt die Suche nach der Nadel im Heuhaufen,halt so Kleinigkeiten aber was großartiges fällt mir da nicht ein.

Gunnar:
Oft gestellte Frage in den letzten Monaten, Und wir haben immer spontan gesagt: Nee!

Otti:
Alles war gut so wie es gelaufen ist?

Gunnar:
Weiß ich nicht, aber es war nichts, was ich bedauern würde. Mit dem, was wir gemacht haben, sind wir zufrieden und wir sind stolz darauf. Wir haben immer nur gemacht was wir auch wollten. Es waren alles immer unsere Entscheidung.

Yorck:
Das gute ist auch, dass wir nie an Leute geraten sind, die uns komplett verarscht haben.
Das einzige, was wir unterschätzt haben, ist, dass man nicht auf zwei Partys gleichzeitig tanzen kann. Wir haben ja immer alles selber gemacht, also Management und so. Ich sag mal: "Business ist Business und Artist ist Artist". Ich hab relativ spät gemerkt, dass es mir sehr viel Kreativität, raubt wenn ich auf beiden Partys tanze. Irgendwann hab ich mal gesagt, es wäre schön, wenn ich nur kreativ sein könnte und die nackte Realität nicht erleben müsste. Ich dachte, wenn ich nur kreativ sein kann und nur schöne Songs schreibe, würde man auch erfolgreicher sein.

Gunnar:
Wir habe alles richtig gemacht.

Yorck:
Und Spaß gehabt. Haben viel durchgemacht und haben auch viel zurück bekommen. Ich würde sagen das passt.

www.facebook.com/LLBofficial

Art des Interviews: face2face
05.07.2011 by Otti

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