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Verlag Philipp von Zabern: Die Berühmten Griechischen Schriftsteller und Römischen Schriftsteller

In seiner neuen Reihe über "Die Berühmten" veröffentlicht der Verlag Philipp von Zabern eine Reihe von kleinen Lexika zu Themen aus Kultur und Geschichte. Zwei davon über griechische und römische Schriftsteller widmen sich den Ursprüngen der klassischen europäischen Literatur.
Beim Anblick von Rainer Nickels Buch über die klassischen griechischen Schriftsteller drängte sich mir erstmal eine Frage auf: Wie will man eigentlich die 22 wichtigsten Autoren des alten Griechenlands in einem dünnen Bändchen von knapp 200 Seiten darzustellen? Oder, anders ausgedrückt: Kann man der Bedeutung von Homer, Aristoteles oder Platon in Artikeln von jeweils ungefähr zehn Seiten auch nur annähernd gerecht werden?
Zum Glück wurde meine Erwartung, dass es sich bei dem Buch um nicht mehr als um eine nette Bettlektüre handeln könnte, angenehm enttäuscht. Rainer Nickel gelingt der Spagat zwischen der Unerschöpflichkeit des Themas und der Knappheit des zur Verfügung stehenden Platzes sehr gut. Und auch wenn das Buch gut zu lesen ist, erfordert es beim Lesen doch eine gewisse Aufmerksamkeit.
Die Stichwörter des Buches folgen immer dem gleichen Aufbau: Zunächst gibt es einige Informationen zur Biographie des jeweiligen Autors, anschließend werden wichtige Schaffensschwerpunkte anhand von Beispiel-Werken beschrieben. Weiterhin gibt es noch jeweils einen Abschnitt zur Überlieferungs- und Wirkungsgeschichte. Als "Sahnehäubchen" endet dann jedes Stichwort mit der Frage "Was bleibt?". In diesem abschließenden Abschnitt wird dann der beschriebene Schriftsteller und sein Werk noch mal in einen größeren Zusammenhang eingeordnet.
Die Biographien des jeweils beschriebenen Autors (bzw. der Autorin) werden dabei in der Regel recht knapp behandelt. Interessanterweise ist über das Leben vieler klassischer griechischer Schriftsteller auch gar nicht so viel bekannt. Oft stellt sich auch die Frage, ob sie als reale Personen überhaupt existiert haben oder die ihnen zugeschriebenen Werke selber verfasst haben.
Die Diskussion der Werke des jeweiligen Autoren nimmt dann deutlich mehr Raum ein. Rainer Nickel beschränkt sich dabei auf einige Beispiele, die dann aber relativ ausführlich behandelt werden. Aristoteles wird anhand der "Nikomachischen Ethik" und seiner Theorie der Politik vorgestellt. Aristophanes wird am Beispiel der "Lysistrata" als Vater der politischen Komödie vorgestellt, Platon anhand seiner "Dialoge" als Chronist des im 4. Jhd. v.Chr. einsetzenden philosophischen Diskurses, etc. So lernt der Leser jeden der griechischen Autoren als Begründer oder Vertreter einer bestimmten literarischen Gattung oder Philosophieströmung kennen. Das dies nur eine eingeschränkte Sicht sein kann, ist klar. Es gibt aber eine gute Orientierung, um jeden der Autoren in den Gesamtkosmos der griechischen Literatur einordnen zu können.
In weiteren Abschnitten geht Rainer Nickel dann auf die Überlieferungsgeschichte der Autoren und ihre Wirkungsgeschichte ein. Besonders interessant an den Abschnitten zur Überlieferungsgeschichte war für mich die Erkenntnis, auf was für einer wackligen Quellenlage oft unsere Vorstellung von antiken Autoren beruht.
Im jeweils letzten Abschnitt jedes Kapitels zieht Rainer Nickel noch mal ein knappes Fazit, worin die Bedeutung jedes Autoren für unsere heutige Zeit liegen könnte. Dabei fördert er oft Überraschendes zutage. Wer sich zum Beispiel immer schon mal die Frage gestellt hat, was Euripides mit den Milgram-Experimenten zu tun hat, ist bei Rainer Nickel genau richtig.

Das Buch von Cornelius Hartz über die römischen Schriftsteller folgt der gleichen Kapiteleinteilung (was irgendwie nahelegt, dass diese schon vom Verlag für die gesamte Reihe vorgegeben wurde).
Dabei nimmt der lockere, witzige Schreibstil sofort für das Buch ein. Es ist flüssig zu lesen, und der Autor entfaltet ein wahres Feuerwerk an ironischen Formulierungen und witzigen Zitaten. Dabei geht er stark auf die Biographien der römischen Schriftsteller ein und schildert ihre jeweilige Rolle in der römischen Geschichte. Dies ist umso interessanter, als die Verknüpfungen zwischen Literatur und Politik im alten Rom oftmals überraschend eng waren. Ganz offensichtlich ist dies natürlich bei Autoren wie Cicero und Cäsar, die hauptberuflich Politiker waren. Aber interessant ist zum Beispiel auch, wie sehr Vergil als Propagandist für Augustus tätig war, oder die Frage, ob Cato wirklich in jeder Rede die Zerstörung Karthagos gefordert hat. Ähnlich wie Rainer Nickel schreibt auch Cornelius Hartz einiges über die Überlieferungsgeschichte der Texte. Dabei wird abermals deutlich, dass viele antike Schriften die Jahrhunderte bestenfalls bruchstückhaft überlebt haben und dass das, was wir für den "Ovid" oder den "Catull" halten, bestenfalls Fragemente oder eventuell gar nicht von diesen Autoren stammt.
Sehr sympathisch an dem Buch ist auch, dass Cornelius Hartz aus seiner Begeisterung für Filme keinen Hehl macht. Wer also wissen möchte, woher eigentlich das geflügelte "Carpe Diem" aus dem "Club der toten Dichter" kommt, oder ob Monty Pythons "Brian" wirklich Otternasen verkauft haben könnte, für den ist das Buch eine wahre Fundgrube.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich während meiner Schulzeit in Latein besser abgeschnitten hätte, wenn es dieses Buch damals schon gegeben hätte. Aber die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Es motiviert jedenfalls, sich mit den alten römischen Dichtern zu beschäftigen.
Beide Bücher sind als erste Reiseführer in die Welt der klassischen antiken Literatur sehr gut zu empfehlen. Sie machen neugierig auf das Thema und laden dazu ein, anhand eines griechischen Dramas oder einer römischen Dichtung den Ursprüngen der europäischen Literatur nachzuforschen.

Rainer Nickel:
Die Berühmten
Griechische Schriftsteller
ISBN: 978-3-8053-4242-1
176 S.

Cornelius Hartz:
Die Berühmten
Römische Schriftsteller
ISBN: 978-3-8053-4067-0
176 S.

Beide Verlag Philipp von Zabern, Mainz

22.04.2011 by Ralle

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