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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

Liv Kristine: So lange Du liebst, lebst Du!

Mit ihrer bezaubernden Stimme hat sie über die Jahre hinweg schon zahlreiche Werke veredelt - Seien es eigene Projekte oder auch Alben anderer Künstler, bei denen sie als Gast mitwirken durfte. Liv Kristine ist eine Künstlerin, die der nationalen und internationalen Musikkultur ihre ganz eigene Farbe aufgedrückt hat. Jetzt hat sich die gebürtige Norwegerin wieder selbst übertroffen, mit Skintight erschien gerade ihr neuestes Soloalbum, ein musikalisches Meisterwerk wie es ehrlicher und gefühlvoller nicht sein könnte.
Trotz zahlreicher Verpflichtungen und anstehender Tour mit Leaves´ Eyes fand Liv Zeit, mit uns noch ein wenig tiefer in die Hintergründe von Skintight einzutauchen.

Otti:
Hallo Liv, heute wollen wir uns ja vor allem über dein in Kürze erscheinendes Soloalbum Skintight unterhalten. Wie du ja bereits meiner Rezension entnehmen konntest, war ich von der emotionalen Tiefe deiner Songs sehr angetan - Aber wie siehst Du selbst das Album, was bedeutet es für dich persönlich?

Liv:
Ich danke Dir! Skintight ist für mich persönlich das wichtigste Album in meiner langen Zeit als Sängerin und Komponistin, denn ich war bei dieser Produktion so gut wie immer und überall präsent, und die Entscheidungen und Verantwortung lagen ganz bei mir. In eigenem Mastersoundstudio haben Thorsten Bauer und ich die Songs komponiert und aufgenommen, und mein Ehegatte Alexander Krull hat das Album gemischt und gemastert. Ich habe während der Produktionsphase unheimlich viel Neues gelernt, über die Studiotechnik, über meine Gesangstechnik, und über meine eigenen Fähigkeiten. Dazu kommen noch die Texte, die ich wie sonst auch alle selbst geschrieben habe - trotzdem sind sie "intensiver" und persönlicher wenn sie für’s Soloalbum geschrieben worden sind.
Wenn ich beim Einsingen bin, ist das immer wie als ob ein Spiegel vor mich gehalten wird. Manchmal muss ich über mich selbst schmunzeln; manchmal kämpfe ich sogar mit der einen oder anderen Träne. Außerdem bin ich dieses mal 100% zufrieden mit dem Cover und dem Booklet, dank Stefan Heilemann, der das Booklet gestaltet hat und mich im letzten Herbst fotographiert hat, und meine Freundin Katja, die meine Texte durch ihre Bilder visuell umgesetzt hat. Das macht mich unheimlich stolz, und gerührt.


"Wir müssen lernen zu verstehen, dass wahre Liebe sich entwickeln muss"

Otti:
Für Leute die dich vor allem von Leaves´ Eyes oder auch früher Theatre Of Tragedy kennen dürften die seichten Töne auf Skintight und deinen anderen Soloproduktionen etwas ungewohnt sein. Wie wichtig ist es dir, auch solche Kontraste in deinem künstlerischen Werk zu schaffen?

Liv:
Sehe jedes Album als ein "Kapitel" für sich. Ich bin eh KEINE Künstlerin, die mit dem Hauptstrom mitläuft. Ich war noch Teenager, als Theatre of Tragedy damals gegründet wurde, und bekam anfangs von vielen Kritikern das Messer zu spüren. Hat mich aber nicht interessiert. Mir ist es wichtig, mir selbst treu zu bleiben, und nicht dem, was überall zu sehen oder zu hören ist. Ganz allergisch reagiere ich darauf, wenn irgendwas von mir verlangt wird oder zum "muss" wird, gerade wenn es ums Geld geht. Ich entwickle mich jeden Tag, mit jedem Konzert, Song und mit jedem Album weiter, aber mit eigenen Zielen. Kritik kann ich gut einstecken, denn ich weiß, dass meine Kunst ehrlich und echt ist. Und Lob geht natürlich direkt ins Herz!

Otti:
Ein Grund, warum ich mich so sehr in Skintight verlieren kann ist sicher, dass ich momentan persönlich in einer Phase bin, die mich für Melancholie und intensive Gefühle besonders empfänglich macht. Glaubst Du, dass Musik generell stimmungsabhängig ist? Und wenn ja, welche Emotionen sind dir aus der Entstehungzeit des Albums am intensivsten im Gedächtnis geblieben?

Liv:
In diesem Album steckt meine Kindheit, meine Jugend, und die Erfahrungen aus dem Leben einer erwachsenen Frau, Mutter und Künstlerin. Wonders ist z.B. meinen Eltern gewidmet. Ich habe die besten Eltern auf der ganzen Welt, sie haben mir die Welt gezeigt, die Wunder der Natur bis zu den wundervollen, kleinen Glückserlebnissen, die wir manchmal im Alltag mitnehmen können. Boy at the Window steht im Kontrast zu Wonders und beschreibt das Kind, das allein gelassen wird, mitten in der grauen, schnelllebigen Großstadt. The Rarest Flower kritisiert das schnelle und gefährliche Leben der Jugend, das den Teenagern sogar durch Werbung und Medien schmackhaft vorgemacht wird. Love in Grey und Twofold sind "erwachsene" Lieder, die Erfahrungen aus dem jetzigen Leben mit sich bringen. Meine Kunst ist auf jeden Fall stimmungsabhängig, für mich als Songwriterin und Texterin, sowohl als Musikliebhaberin.
Ich suche mir die Musik zum Anhören im Alltag aus je nach dem wie ich mich fühle. Black Sabbath gibt’s bei der guten Partystimmung, beim Auto fahren One Republic oder Coldplay, Tori Amos beim Ausruhen, Edvard Grieg beim Putzen - und gerade jetzt den Soundtrack von Till Schweigers Zwei Ohr Küken.

Otti:
Was ich auch fasznierend fand ist die Geschichte, dass ihr das Studio extra für die Aufnahmen verlegt habt. Magst Du unseren Lesern das kurz genauer erklären? Ich weiß ja auch nur was Du auf deiner Website schriebst dazu. Was hat euch denn konkret dazu bewogen?

Liv:
Wir haben die ganze Aufnahmetechnik in einer kleineren, aber dafür gemütlicheren Räumlichkeit neu aufgebaut. Ich wollte beim Einsingen einfach die Weinberge und die Wiesen sehen, und, ganz wichtig, mit Thorsten und Alexander direkt während den Aufnahmen kommunizieren. Ich habe mir eine kleine Schutzwand gekauft, damit "meine Geräusche" bei mir bleiben, und alle anderen externen Geräusche eben nicht auf die Aufnahmen zu hören sind.
Ich habe es sehr genossen, die Songs in einem "One-Take"-Aufnahmeverfahren aufzunehmen, denn so kann ich die emotionale Dynamik zwischen z.B. Strophe und Chorus natürlicher aufbauen. Nebengeräusche von mir sind alle drauf, sogar ein paar interessante halb-blaue Töne, die einfach ein emotionales i-Tüpferchen setzen.

Otti:
Die Frage nach Inspirationen ist ja eigentlich imemr recht banal, aber ich würde dich dennoch grad einfach mal bitten, anhand von zwei Beispielen von Songs auf Skintight zu erklären, wie Du da auf die jeweiligen Textideen gekommen bist und sich dann daraus vollständige Lyrics entwickelt haben.

Liv:
Thorsten hatte ohne mich im Studio an einem Abend ein paar Songideen aufgenommen und mir als "offene File" da gelassen. Ich kam dann später, nachdem er schon heimgefahren war, ins Studio, und habe mir sie angehört. Bei einer Idee musste ich sofort an Johnny Cash denken. Dieses Lied wurde am nächsten Tag mit Text und Instrumente komplett aufgenommen, und bekam den Titel Twofold.
Die zweite Idee war Train to Somewhere, ein eher rockigeres Lied, mit der Ansage "geniesse den Tag und deiner Freiheit!". Es wurde am nächsten sonnigen Samstag mit offenen Fenstern im Studio aufgenommen.

Otti:
Während ich gerade so The Rarest Flower höre frage ich mich, was Liebe eigentlich wirklich bedeutet. Ist sie ein vergängliches Gefühl, welches wie eine Blume welken kann? Oder steckt da doch mehr dahinter, ist echte Liebe unsterblich, wie manche meinen? Wie siehst Du das?

Liv:
Mein Motto war immer "as long as you love, you are alive"! Allerdings geht es in Rarest Flower darum, wie das schnelle, stressige Alltagsleben oft keinen Platz hat für echte, wahre Liebe, oder wie Liebe und Leben einfach "verschwendet" wird, weil die Medien den jungen Leuten das so darstellen. Junge Paare heiraten, und lassen sich 2 Monate später scheiden. Alles umsonst. Wir müssen lernen zu verstehen, dass wahre Liebe sich entwickeln muss. Wir müssen uns als Paar Zeit lassen, um zu verstehen, wie sich die Gefühle befestigen können. Liebe ist immer Anfangs einer Beziehung oft überwältigend - bis der stressige Alltag die Beziehung unter Druck setzt. Wenn eine Vertrauensbasis da ist, ist es richtig, für die Liebe zu kämpfen, damit sie blühen kann, wie die einzigartigste und wundervollste Blume.

Otti:
Für dich gehts ja nun mit Leaves´ Eyes auf ausgedehnte US-Tour. Habt ihr dort auch eine solche Reputation wie hier, und freust Du dich auf die lange Reise?


"Mir ist es wichtig, mir selbst treu zu bleiben"

Liv:
Ich würde sagen "mindestens", ja. Allerdings, eine Amerikatour bringt immer sehr viel Vorbereitung und Aufwand mit sich, von Visumanträge stellen bis Endorsement-Deals, damit wir unsere Instrumente dort vor Ort ausleihen können, usw.. Im Gepäck darf man jetzt nur etwa 20kg mitbringen, eine Tatsache, die für reisende Bands katastrophale Auswirkungen hat. Am Dienstag in der Früh geht es los!

Otti:
Du hast mir ja "versprochen", dass wir dann später im Herbst uns nochmal ausf?hrlicher unterhalten werden. Welche lieben Worte möchtest Du unseren Lesern bis dahin hier in der Heimat hinterlassen?

Liv:
Ich werde meine Lieblingjahreszeit im Südwesten Deutschlands sehr vermissen, die Weinlese, die leckeren, reifen Trauben, die süß-sauren Äpfel, das warme Herbstlicht zwischen dem Regen, die Kastanien! Bitte schickt mir ab und zu mal einen "Herbstgedanken" über den Atlantik, damit ich mich nicht so ganz weit weg fühle!

Danke Dir, Otti, und bis bald!

Liebe Grüße,

Liv

www.livkristine.de

Art des Interviews: Email
30.08.2010 by Otti

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