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Jeorjios M. Beyer: Archäologie – Von der Schatzsuche zur Wissenschaft

Für all diejenigen, die sich neu für das Thema Archäologie interessieren, hält der Verlag Philipp von Zabern nun genau die richtige "Einstiegsdroge" parat. Unter der Federführung von Jeorjios M. Beyer, Mitarbeiter am Institut für Alte Geschichte der Uni Mainz, hat der Verlag eine spannende Einführung in dieses Thema herausgegeben.
Das Buch besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil erzählt Jeorjios Beyer die Geschichte der Archäologie als Wissenschaft, während im zweiten verschiedene Fachvertreter eine Übersicht über ihre jeweiligen Teildisziplinen geben.
Für den ersten Teil gibt dabei der Untertitel des Buches das Programm vor. Beyer lässt die Geschichte der Archäologie in der Antike mit unsystematischer Schatzsucherei (bzw. Raubzügen) beginnen und beschreibt durch die Epochen hinweg ihre Entwicklung zur uns heute bekannten Hightech-Wissenschaft.
Für jede Epoche nennt Beyer herausragende Vertreter des Faches und ihren wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des Faches. Besonders interessant ist dabei die zeitspezifische Motivation, aus der heraus sich die Menschen mit Altertümern beschäftigt haben. Stand im christlichen Mittelalter die Suche nach Reliquien im Vordergrund, war es in der frühen Neuzeit die Inspiration, die sich die Renaissance-Künstler von der bewunderten Antike erhofften. Das Zeitalter der Aufklärung brachte die Begründung des Faches Archäologie als Wissenschaft. Das sogenannte "heroische Zeitalter" fällt zeitlich ungefähr mit der Industrialisierung zusammen. In dieser Epoche wurde die Archäologie oftmals von erfolgreichen Selfmademen betrieben, die sich von spektakulären Funden eine Mehrung ihres Ruhmes versprachen. Im Zeitalter der Nationalismus kam es zu einer Instrumentalisierung der Archäologie durch die Herrschenden, die schließlich zur Zeit der NS-Diktatur in Deutschland ihren grausigen Höhepunkt fand. Im Laufe der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts kam es dann wieder zu einer zunehmenden Entideologisierung.
Beyers Schreibstil ist sachlich und dabei gut und flüssig zu lesen. Er verliert nie den roten Faden, lässt dabei aber noch genug Raum für Details und Anekdoten. Wer zum Beispiel immer mal wissen wollte, warum der (nach James Bond) wohl bekannteste britische Geheimagent hauptberuflich Archäologe war, erfährt es in diesem Buch.
Interessant sind auch die zahlreichen Quellentexte, die Beyer als Beispiele für seine Argumentation dienen. Sie sind aus dem eigentlichen Text in sogenannte "Info-Boxen" ausgegliedert worden, so dass der Lesefluss im Haupttext nicht gestört wird. Dadurch können die Quellentexte ihre eigene Wirkung entfalten.
Die Abbildungen sind - was die gezeigten Objekte angeht - nah am Text gehalten. Dadurch tragen sie gut zur Illustration des Geschriebenen bei, was bei bebilderten Sachbüchern leider längst nicht immer der Fall ist
. Der erste Teil des Buches kann somit rundherum als gelungen bezeichnet werden. Er liefert einen interessanten Überblick über die Entwicklung der Archäologie und ist dabei sehr gut zu lesen. Der gute Eindruck, den der erste Teil des Buches hinterlassen hat, setzt sich erfreulicherweise im zweiten fort. Hier hat sich Beyer mehrere Fachkolleginnen und -kollegen ins Boot geholt, die einen Überblick über die von ihnen vertretenen Teildisziplinen der Archäologie geben.
Dabei kommen sowohl die "Klassiker" wie die ägyptische oder die klassische Archäologie zu ihrem Recht, als auch relativ junge, aufstrebende Fächer wie die Mittelalter-Archäologie. Der Bedeutung der Epigraphik (d. h. der Wissenschaft von den Inschriften) für die Archäologie ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Dies zeigt in sehr schöner Weise, dass jede Wissenschaft immer auch maßgeblich von benachbarten Disziplinen und vermeintlichen "Orchideen-Fächern" mit geprägt wird.
Die Auswahl der vorgestellten Teildisziplinen ist sicherlich nicht vollständig. Wie bei Aufsatzsammlungen mehrerer Autoren kaum zu vermeiden, setzt jeder Autor bzw. jede Autorin individuelle Schwerpunkte. Während der eine Autor begeistert die Vorzüge des jeweiligen Faches schildert, berichten andere von aktuellen Problemen oder Forschungsergebnissen. Teilweise werden auch konkrete Studienhinweise gegeben. Diese Vielfalt stört aber keineswegs. Sie macht nur die faszinierende Vielfalt deutlich, die die moderne Archäologie ausmacht. Und auch wenn die einzelnen Aufsätze unterschiedliche Schwerpunkte setzen, sind sie doch niemals langweilig.
Der einzige kleine Kritikpunkt, den man noch anmerken könnte, ist der Umgang mit Fachausdrücken. Gelegentlich werden Begriffe wie "Metope", "Hiatus" oder "Hohe Pforte" eingestreut, deren Kenntnis nicht unbedingt vom Leser zu erwarten ist und die leider auch nicht weiter erläutert werden. Das fällt gerade deswegen unangenehm auf, weil das Buch ansonsten sehr gut und flüssig zu lesen ist. Zum Glück kommt das aber nur selten vor und stört den Spaß beim Lesen nicht wirklich.
Allen, die sich hobbymäßig mit Archäologie beschäftigen, kann das Buch uneingeschränkt empfohlen werden. Die interessante Übersicht über die einzelnen Teildisziplinen macht es auch für Studenten interessant, die noch auf der Suche nach ihrer Vertiefungsrichtung sind.

2010, Philipp von Zabern
240 Seiten, EUR 39,90
ISBN 978-3-8053-4166-0

Cover

Dartfieber

18.08.2010 by Ralle

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