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Abschlusskonzert Goethes Erben 15.09.07 Berlin K17

Als bekannt gegeben wurde, dass Goethes Erben ihr letzten Konzert für unbestimmte Zeit geben würden, war ich schon etwas wehmütig. Die Karten schenkte ich meinem Martin zu seinem Geburtstag im Februar, damit es uns wiederum gegönnt war, an meinem Geburtstag zusammen die Erben zu erleben. Bisher waren wir auf allen Erbenkonzerte gemeinsam.

Eigentlich empfinde ich Geburtstage als eine eher lästige Pflicht zu Hause zu sein und Gratulanten zu empfangen, die einem dann mit großer Wahrscheinlichkeit unpraktische/ unpersönliche Dinge schenken, Lobeshymnen erhoffen und früher oder später es sich mit anderen Gästen verscherzen, aber erwarten der unfreiwillige Gastgeber habe vollstes Verständnis dafür. Demnach versprach der 15.09. in diesem Jahr etwas Besonderes zu werden. Im Nachhinein betrachtet war es der Tag der Abschiede.

Bereits am Freitag kamen wir mit unseren Freunden im Annaberger „Rumpel de Pumpel" zusammen, um den letzten Abend in dr Haamit zu genießen. Martin und ich entschlossen uns aus Sachsen auszuwandern und in Freiburg im Breisgau einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Demnach verliefen die vergangenen Wochen etwas hektisch und chaotisch, was den Vorteil hatte, den bevorstehenden Abschied ins Unterbewusstsein zu verdrängen. Es war ein gemütliches Beisammensein und wenn ich nur daran denke, wie Friedel seine zukünftige Karriere als Pilot ernstnahm und meisterhaft bebilderte, weiß ich, wie sehr mir diese lieben Menschen mit ihren Eigenarten fehlen werden.


von links nach recht: Arn, Friedel, Robert, Alex, Kat, Tonchen, Franzi, Martin

Am 15. waren wir bei meinen Eltern zum Frühstück eingeladen. Die Atmosphäre war lockerer als ich angenommen hatte und die knapp drei Stunden vergingen viel zu schnell, so dass der ständig vor sich hingeschobene Abschied näher rückte. Auch wenn alle wussten wir sehen uns spätestens in zwei Monaten wieder, war es doch eine seltsame und sehr emotionale Situation. Irgendwie fragt man sich doch ob man ohne Familie/Freunde klarkommen wird, ob sie einem fehlen werden, und ob man wegen der Entfernung noch am Leben der Lieben teilhaben oder sich gar entfremden wird.

Wir schafften es in eigener Rekordzeit am Abend im 300km entfernte Berlin ( wir benötigten nur 2 ½ Stunden) einzutreffen. Mein letztes Erbenkonzert war im Dezember 2005 im Rahmen des Darkstorm Festivals in Chemnitz. Der Auftritt hatte mir damals ehrlich ungeheuren Respekt eingeflösst ( war ich froh, nicht in der ersten Reihe gestanden zu haben...). Aggressivität, Wut und das Gefühl, Oswald würde auf der Bühne die Hölle auf Erden erleben, dominierten und bedrohten das Publikum.


Fleischschuld

Dafür war gute Stimmung in Berlin Programm. Ein Oswald, der bester Laune, redebedürftig war, Scherze auf Lager hatte und es nicht versäumte angriffslustig, offensiv die anwesende Öffentlichkeit nach und nach in hörige Fesseln zu legen. Traditionell folgte ein chronologischer Querschnitt durch alle Erbenalben, gepaart mit vielen intensiven Ansagen und Spontanitäten. Vor allem auch sonst weniger gespielte Stücke kamen zur Würdigung und die Musiker auf der Bühne wuchsen zu einem Ganzen zusammen.

Oswald gab im Vorfeld der drei letzten Konzerte seinen Anhängern die Möglichkeit, persönlich Erlebtes/ gedankliche Assoziationen zu Goethes Erben Stücken preiszugeben, um mit etwas Glück Teil der dargestellten Geschichte werden zu können. Ja und so wurde der Begriff "Erbenfamilie" an diesem Abend größer denn je geschrieben. Ich hatte meine Erlebnisse zu „Nichts bleibt wie es war" geschildert und wusste, dass diese auch vorgetragen werden würden. Als es dann so weit war, hatte mich die Bühnenperformance und die herrschende Atmosphäre bereits so verzaubert, dass ich wünschte, der Auftritt möge nie enden. Die Worte über die schwere Krankheit meiner Mama, und die damit verbundenen Querelen/ Entfremdungen, sowie der gegenwärtige Abschied von all meinen Lieben und von Goethes Erben, das bevorstehende ungewisse Neue, führten letztlich dazu, dass durch mein Geschniefe das nahstehende Publikum seine Blicke auf mich lenkte - was ich eigentlich vermeiden wollte - mir aber in dem Moment letztlich völlig egal war. Irgendwie fand ich es sogar ergreifend, als Fremde mich in den Arm nahmen, und mir sagten, wie bewegend sie meine Geschichte fanden, oder mir herzlich gratulierten.

Nachdem sich mein Gefühlspegel wieder einem halbwegs normalen Stand näherte, ging nach und nach das Konzert zu Ende. Es folgten weitere emotionale, sehr persönliche Lebensgeschichten von Anwesenden, und auch Oswald ließ seiner Gefühlswelt freien Lauf. Ja, ich war nicht die einzigste, die das Shirt des Freundes vollheulte.

Drei Stunden Goethes Erben Live und ein jeder verbindet damit andere Erinnerungen. Die Ergriffenheit Oswalds zeigte mir um so deutlicher seine Menschlichkeit - ein Freidenker des 21 Jahrhunderts, der viele Herzen bewegt, zum Denken und Handeln aufruft, und sich seine Einzigartigkeit immer bewahrt. Das Leben geht weiter, auch wenn Goethes Erben uns derzeit nicht daran teilhaben lassen wollen, sind sie doch immer bei uns. „Nichts bleibt wie es war- aber was war bleibt" (O.H.)

Am nächsten Tag hatte mein 16 Jahre alter Polo noch eine große Herausforderung zu bestehen: 616 km am Stück durchzuhalten. Mit den letzten Wichtigkeiten vollbeladen, winkte ich auf der Autobahn nahe Bayreuth Oswald noch einmal zu, natürlich mit der entsprechenden Begleitmusik - ich hab mir tatsächlich die Mühe gemacht, als „Dazwischen" erschien, dieses Album auf Kassette zu überspielen. :)

Und wie wird es ohne Auftritte von Goethes Erben weitergehen? Ich werde Fetisch: Mensch weiterverfolgen, meinen DVDPlayer gehörig in Beschlag nehmen und geduldig auf das nächste Konzi warten. Bzw. hab ich endlich so ein großes Wohnzimmer, dass ich ohne irgendwo anzuecken tanzen kann :), und ich freue mich sehr darauf, in zwei Wochen in meine alte Heimat zu fahren und meine Lieben wiederzusehen.

Wenn wir es zulassen, können wir anderen Menschen nah sein, sie an unserem Leben teilhaben lassen sowie durch mitunter unbewusste Handlungen Kraft sammeln und ebenso anderen geben.
In diesem Sinne Friede, Liebe, Mitgefühl

Eure Eisprinzessin

24.10.2007 by Eisprinzessin

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