Mit Agapesis haben sich Danse Macabre einen vergleichsweise schwierigen Act ins Haus geholt. Das Electro-Projekt mit Industrial-Anleihen aus Belgien macht einem zumindest den Zugang zur eigenen Musik nicht all zu einfach, selbst wenn die Thematik eigentlich zusagt. Worum es geht? Das neue Album des Duos, welches auf den vielversprechenden Namen Erotika hört, und dessen Grundthematik sich auch quer durchs Album zieht.
Agapesis besteht Jean Pierre und Mélanie, die seit 2002 liiert sind und sich nicht nur musikalisch, sondern auch auf anderen Ebenen ergänzen, wobei Fetisch- und Sex-Aspekte dabei definitiv eine große Rolle spielen.
Der eingangs erwähnte schwierige Einstieg in die Welt von Agapesis resuliert dabei vor allem aus dem ungewöhnlichen Gesang der Beiden... Oder sollte man besser sagen aus den Shouts? Jean-Pierre und Mélanie wechseln sich damit gerne ab, auch innerhalb eines Songs, wie z.B. bei The Scissorhands, einer Ode an den aus dem gleichnahmigen Kult-Film bekannten Edward mit den Scherenhänden (gespielt von Johnny Depp). Vor allem Jean-Pierre klingt zuweilen als wolle er Laibach imitieren, hat dabei aber ständig diesen nahezu niedlich klingenden, französischen Akzent in seiner Stimme, der zuweilen unfreiwillig komisch rüber kommt.
Blendet man diesen Aspekt jedoch erst einmal aus, und lässt sich vor allem auf die synthetischen Klänge auf Erotika ein, entdeckt man plötzlich vielschichtigen und ausgeklügelten Elektro. Kraftvoll schwingt zum Beispiel das auf Carl Orffs Carmina Burana basierte Roter Drache, nah am Minimal, aber mit fein dosierten EBM-Beats hingegen, überzeugt The Time of Chaos den Kenner. Und auch sonst gibt es diverse ausgereifte Loops, Samples und kreative Ideen auf dem Album zu entdecken.
Hat man dann so Agapesis eine Chance gegeben, entwickelt dieses Projekt einen gewissen Charme. Die ungewöhnlichen Stimmen gehören auf einmal zum Gesamtbild, ohne sie wäre die Combo vielleicht gar nicht ernst zu nehmen - oder würde zu ernst wirken, sich an Bands wie Agonoize messen müssen, und dabei eventuell untergehen. Nimmt man Agapesis wie sie sind, entdeckt man ein eigenwilliges, aber durchaus sympathisches Musikkonzept, welches wohl nicht jedermanns Geschmack trifft, aber mit Sicherheit auch nie dazu gedacht war.
Trackliste:
01. Toxics Phenomenes
02. Erotika
03. Master of Pussies
04. Roter Drache
05. Laether Dreams
06. Perverse Illusion
07. Alice in Dreamlands
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08. The Scissorhands
09. Fetish, Sex & Decadence
10. Wild Love
11. Glacial Dreams
12. The Time of Chaos
13. Nicht Notausgang
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Veröffentlichung: 04.09.2009
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