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My Friend Skeleton: Vanitas

Eine Band wie ein Kunstwerk... Okay, da mag es einige geben. Maskerade, Künstler die sich in Kunstgestalten verwandeln, theatralische Konzeptstücke, das hat man alles schonmal irgendwo erlebt. Und doch scheinen My Friend Skeleton hier noch weiter zu gehen, noch extremer zu einer real gewordenen Fiktion zu werden, als das bei den meisten ähnlichen Gruppen der Fall ist.
Da gibt es Serena, ein vogelartges Wesen, welches es geschafft hat, dass ihr die Toten folgen, und Kay Ozz, den dunklen Wanderer, der von den Stimmen eines in ihm wohnenden Dämon angetrieben wird. Archimed Shimigami ist ein wütender, stummer Sohn des Sternes Sol und AmayaSakinah eine Puppe, die durch die Kraft eines Geistes zum Leben erweckt wurde. Zusammen sind sie My Friend Skeleton, ein koexistierender Kosmos, welcher die Welt mit Geschichten über den Tod und die Liebe, aber auch über die Angst und die menschliche Psyche an sich bereichert. Und nicht nur das, sie sind auch My Skeleton Friend, jene Alter Egos ihrer selbst, welche mal die Musik der Urformation abstrahieren, dann wieder ein großes Opus über die Zukunft verfassen.

Vanitas lautet der Titel des Doppelalbums dieser Kunstform, welches nun erschienen ist. Und wie der Titel schon sagt, beleuchten My Friend Skeleton ausschweifend die Vergänglichkeit als Ganzes, den Schein und das Sein von Gefühlen und Existenzen. Aufgeteilt ist das Ganze in die erste CD Hinter der Maske der Schönheit... von My Friend Skeleton, und ...lauert der Tod, eine Scheibe, welche ganz der konträren, aber auch Hand in Hand gehenden Philosophie von My Skeleton Friend gewidmet ist. Erstere scheint zunächst ein wenig zerfahrener, vielschichtiger, die zweite CD bietet alleine mit dem Roboterblut eine halbstündige und zusammenhängende Geschichte welcher man sich nicht entziehen kann.
Alle Stücke, welche auf Vanitas enthalten sind, in Sinn und Unsinn, musikalische Tiefe und andere Bestandteile zu zerlegen, wäre wohl zu umfangreich, aber auch der Kunst als solcher nicht würdig, welche My Friend Skeleton hier darbieten. Soviel sei gesagt, bis auf wenige Gesangsparts, die ein wenig arg schräg daher kommen, ist die Darbietung auf allerhöchstem Niveau.

Das Kunstwerk als solches, also My Friend Skeleton, die Alter Ego-Variante und das Vanitas-Konzept als solches, kann man mögen oder nicht. Jenseits von jeglicher Partymusik, abseits des allgegenwärtigen Kopierverhaltens erfolgreicher Konzepte hat sich hier aber in jedem Fall eine Gruppe von Menschen (bzw Wesenheiten) zusammengefunden, die anspruchsvolle und wirklich vollkommen neuartige Kompositionen, visuell wie auch akustisch, zelebriert. Sei es das unglaublich genial gemachte Missed Calls, die dual erzählte Geschichte über das Funeral of a Broken Doll, das nahezu symphonisch angehauchte Charonpenny, oder die technoide und irrsinnige Fassadenbaustelle, Vanitas strotz vor kreativen Highlights. Aber der enorme Umfang bringt natürlich auch Schattenseiten mit sich. So ist das Opus vom Roboterblut zwar an sich spannend gemacht, aber dürfte abseits des Fanlagers der Minimalmusik schnell Abnutzungserscheinungen erleiden, und beim irgendwie an Björk erinnernden Schwester im Spiegel fragt man sich zuweilen, ob der teils etwas schräge Gesang beabsichtigtes Stilmittel ist.

Und wie es bei tiefergreifender Musik nunmal oft der Fall ist, muss man sich natürlich auch bei My Friend Skeleton Zeit nehmen, die Musik sacken lassen und auch verarbeiten. Für den schnellen Konsum eignet sich Vanitas auf keinen Fall, Liebhaber morbider und düsterer Kunstformen werden jedoch, trotz mancher kleiner Kratzer am Lack des Werkes - oder vielleicht auch gerade deswegen - hier mehr als nur eine nette Doppel-LP finden. Hier tun sich Abgründe auf, die, wenn man dazu bereit ist, neue Welten eröffnen könnten. Oder den Hörer verschlingen.

Trackliste
Hinter der Maske der Schönheit... ...Lauert der Tod
01. The Nightmare Within
02. Black Widow
03. The Dead One
04. Charonpenny
05. Funeral of a broken Doll (Her Version)
06. Alice
07. Requiem
08. Schwester im Spiegel
09. Caroline
10. Spinning Dream
01. Roboterblut Ouverture
02. Roboterblut Act 1
03. Roboterblut Act 2
04. Roboterblut Act 3
05. Roboterblut Act 4
06. Roboterblut Act 5
07. Funeral of a broken Doll (His Version)
08. Fassadenbaustelle
09. Ochita Tensi
10. Cherie
11. Missed Calls

Veröffentlichung: 12.03.2010

My Friend Skeleton - Website
Cover

15.03.2010 by Otti

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