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The Other: Horror fördert Kreativität

Es wird wieder experimentiert im Hause The Other. Nach knappen zwei Jahren erscheint nun das mittlerweile vierte Full-Length Album der Kölner Horrorpunks. Anlässlich des Releases haben wir exklusiv mit Rod Usher, seines Zeichens Sänger und Frontmann der Band, gesprochen.

Josi:
Für alle, die noch nie etwas von The Other gehört haben, würde ich dich bitten, eure Musik und Attitüde in ein oder zwei Sätzen zusammenzufassen.

Rod:
The Other sind Europas bekannteste Horrorpunk-Band.  Zum Gruselsound - einer Mischung aus Punk-Rock, Metal und Goth-Rock, gesellt sich das entsprechende Outfit, bei dem die Bandmitglieder zu den Monstern werden, über die sie singen. 

Josi:
Wie ich bereits vernommen habe, wird das neue Album New Blood am 21. Mai 2010 erscheinen. Welche Bedeutung steckt hinter dem Titel?

Rod:
New Blood bezeichnet die Aufbruchstimmung, die wir derzeit erleben. 2009 haben wir es etwas ruhiger angehen lassen und mussten uns neben ein paar Festival-Shows aufs Songwriting konzentrieren. Die neuen Stücke sind bewusst wieder straighter und weniger Kopf-lastig und fühlen sich an wie eine Frischblut-Transfusion. Wir Untoten brauchen immer neues Blut, um zu überleben, daher sagt New Blood, dass wir uns mit neuem Blut frisch gemacht haben und jetzt noch mehr rocken, als zuvor. Und ganz nebenbei ist New Blood auch eine Kritik an dem unsäglichen Teenie-Horror von New Moon, in dem Blut und Sex einfach ausgeblendet werden. So ein Romantik-Grusel ist etwas für katholische 12-Jährige Mädchen und hat mit Horror nichts zu tun.


"Eine Show mit KISS? Ich träume jedenfalls davon."

Josi:
Was bedeutet der Wechsel zu Steamhammer/SPV für euch? Das öffnet sicher einige Türen.


The Other und Josi

Rod:
Für uns ist der Wechsel eine große Sache, denn jeder von uns hat zig SPV-Alben im Schrank stehen. Ob von Judas Priest, Mötley Crüe, Helloween, Alice Cooper, Life Of Agony, Type O Negative, Eye Hate God, oder wie sie alle heißen. Wir sind nun auf einem Label, dass wir Jahrzehnte als Hörer begleitet haben. Gleichzeitig haben wir bei Universal Publishing einen Verlagsvertrag unterschrieben. Das hilft, damit Festival- und Show-Veranstalter auf uns aufmerksam werden und erste Reaktionen sind schon jetzt spürbar. Natürlich ist es gleichzeitig schade, dass wir unser selbst gegründetes Label Fiendforce Records damit verlassen, aber der Schritt ist einfach notwendig und da ich Fiendforce weiterhin leite, sollte die Zusammenarbeit problemlos auch in der Zukunft bestehen, wenn es um Touren, Sampler oder Special Editions geht.

Josi:
Auf den letzten drei Alben gibt es mit The Imp of the Perverse, The tell-tale-heart und Return to the house of Usher jeweils ein Lied, welches auf Kurzgeschichten von Edgar Allan Poe basiert. Was mich interessiert, ist natürlich, ob das auch diesmal der Fall ist.

Rod:
Allerdings, mit The Burial greifen wir die Geschichte „The Premature Burial“ auf, in der ein Mann immer wieder in eine Art Kurz-Koma fällt und dadurch eine Phobie davor entwickelt, in diesem Zustand lebendig begraben zu werden. Am Ende scheint dieser Fall wirklich eingetreten zu sein… Wir haben uns allerdings wieder mal gewisse Freiheiten erlaubt und uns einfach auf die Emotionen konzentriert, die ein lebendig Begrabener wohl durchmachen muss… Die sogenannte Taphephobie ist ja eine Urangst des Menschen.

Josi:
Wieso ausgerechnet Poe? Beeinflusst er dich noch in anderen, nicht musikalischen Lebensbereichen?

Rod:
Ich könnte ausschweifend über Poe erzählen, denn er fasziniert mich wie kein zweiter Autor. Sein Leben ist eine Geschichte an sich, aus Armut, Trunkenheit, dem Tod seiner geliebten Frau und schließlich seines eigenen ungeklärten Todes. Poe hat – wie er auch in seiner Geschichte „The Imp Of The Perverse“ berichtet immer andere verletzt, um sich selbst zu verletzen, er war sehr selbstzerstörerisch veranlagt. Über seine Leistungen für die Literatur brauchen wir wohl kaum sprechen: Er hat die Detektivgeschichte erfunden, die phantastische Literatur  entscheidend mitgeprägt und den „unreliable narrator“ eingeführt, den Erzähler, dem man auf Grund von Psychosen möglicherweise nicht glauben kann. Besonders seine Geschichte „The Fall Of The House Of Usher“ hat mich so geprägt (auch in der Verfilmung von Roger Corman mit Vincent Price), dass ich mein Pseudonym nach dem Titel(Anti-)Helden gewählt habe (Roderick Usher, Anm. der Redaktion).

Josi:
Nachdem der Song Passion for the kill von eurem zweiten Album eine Strophe auf Deutsch enthält und auf The Place to bleed mit Der Tod steht dir gut sogar ein ganzes Lied in eurer Muttersprache zu finden ist, liegt es natürlich nahe, nach weiteren deutschen Tracks zu fragen. Führt ihr das auf New Blood fort?

Rod:
Noch mal ja, denn Der Tod steht dir gut hat sich als einer unserer Hits etabliert, der bei Gigs besonders abgefeiert wird und auch in vielen Clubs läuft. Außerdem macht es mir Spaß, auf Deutsch zu schreiben, weil man die (schönen) Horror-Klischees von „Night“, „Darkness“ und „Dead“ verlassen kann und muss. Deutsche Texte müssen einfach viel überlegter geschrieben werden. Das neuste Stück in unserer Muttersprache nennt sich Hier kommt die Dunkelheit und handelt oberflächlich gesehen von einem Fluch, einer Krankheit, die das Land erfasst, ähnlich wie bei Poes „Die Maske des roten Todes“. Gemeint ist aber auch eine zunehmende Verrohung der Gesellschaft in Zeichen von Globalisierung, Medienoverkill, Finanzkrise und Ellbogen-Mentalität. Horror ist ja gerne mal etwas vergangenheitsorientiert und auch ich glaube, dass „früher“ einige Dinge besser waren.

Josi:
Darf man sich auf Kooperationen mit anderen Künstlern/Künstlerinnen freuen?

Rod:
Auf dem letzten Album habe ich ja beim Song Der Tod steht dir gut ein Duett mit der Sängerin von einer der wohl bekanntesten Pop-Bands in Deutschland gesungen. Der Name durfte aus rechtlichten Gründen noch nie genannt werden, aber wer den Song hört, erkennt ihre Stimme, auch wenn sie sonst eher für schmusige Balladen bekannt ist. Gut, dass BILD noch nicht mitbekommen hat, dass sie für uns über Nekrophilie gesungen hat…  Diesmal allerdings gibt es keine aufsehenerregende Zusammenarbeit. Ein paar Freunde kommen zum Singen der Backing-Vocals, das war’s…

Josi:
Wenn du euer neues Werk mit drei Worten beschreiben müsstest, welche wären das?

Rod:
dunkel, böse, sexy


"Horror ist ja gerne mal etwas vergangenheitsorientiert und auch ich glaube, dass 'früher' einige Dinge besser waren."

Josi:
Wird es dieses Jahr eine Tour begleitend zum Album geben?

Rod:
Erstmal werden wir auf diversen Festivals, wie dem legendären Wacken Open Air mit Iron Maiden, Alice Cooper, Slayer, Mötley Crüe, etc. oder dem Mera Luna mit Sisters Of Mercy, Placebo und Unheilig oder dem Ruhrpott Rodeo mit Slime und Wizo spielen. Aber sicher wird es uns um Halloween nicht in den Gräbern halten, so dass wir wohl im Oktober wieder die Republik in Angst und Schrecken versetzen.

Josi:
Ist auch eine weitere US-Tour geplant?

Rod:
Ja, definitiv. Eigentlich wollten wir schon dieses Jahr, aber da kamen die Festivals dazwischen. Im Frühjahr 2011 soll es soweit sein. Unsere erste Tour war ja sehr erfolgreich. Wenn man den Key Club in Hollwood ausverkauft, sollte man definitiv wieder kommen! Die Amis lieben die deutschen Monster scheinbar, für die sind wir ähnlich exotisch wie Rammstein

Josi:
Du hast unter anderem Anglistik studiert und dich dabei intensiv mit den Texten verschiedener Autoren und Epochen und deren Subtexten auseinandergesetzt. Hilft dir das durch dein Studium angeeignete Wissen in irgendeiner Form beim Songwriting?

Rod:
Absolut. Ansonsten würden unsere Texte wohl ähnlichen „Tiefgang“ haben, wie die von Millionen anderer bemalter Gruselrocker. Mich hat speziell Freuds Konzept des Unheimlichen und sein Modell der Psyche – mit Es, Ich und Über-Ich - sehr beeindruckt, weil es sich perfekt auf gute Werke der Horror-Literatur und des Films anwenden lässt. Die Beschäftigung damit öffnet dem Leser die Augen, man liest eine Horrorgeschichte nicht mehr einfach nur zur Unterhaltung, sondern analysiert den Text und freut sich, wenn man Hinweise und Referenzen erkennt. Gerade Stephen King ist ganz groß darin, Kritik an den Kriegen, der Politik und den Medien in den USA in seinen Storys zu verpacken, so dass sie nur geübten Lesern auffallen. Und so versuche ich auch einige meiner Texte zu gestalten. Allerdings habe ich auch Spaß daran, einfach mal Fun-Lyrics zu verfassen, beispielsweise einen Track über die Geisterbahn im Vergnügungspark Phantasialand in unserer Nähe.

Josi:
Ihr spielt dieses Jahr wieder bei einigen Festivals, unter anderem beim Wacken. Wie fühlt man sich, wenn man als Horrorpunk Band auf ein eigentlich reines Metal Festival eingeladen wird?

Rod:
Jeder von uns ist mit Metal groß geworden, ich war 9, als ich meine erste KISS-Platte bekam und 12, als Iron Maidens "Powerslave" und Mötley Crües "Shout at the Devil" auf meinem Plattenteller lagen. Und jetzt spielen wir auf einem Festival mit beiden Bands, und dazu noch dem König des Horror-Rocks – Alice Cooper himself – dazu. Für uns alle wird ein Traum wahr, und ich hoffe, das Publikum merkt, dass der Metal in unserem Düsterpunk-Sound eine große Rolle spielt, und begrüßt uns wohlwollend. Abgesehen davon wird es – nachdem die größten Shows bisher vor Bela B. oder auf dem Wave Gotik Treffen mit ca. 2000 Zuschauern stattfanden – wohl unsere größte Show überhaupt. Die einzige Frage, die ich mir stelle ist: Wann ist das Ende der Fahnenstange erreicht? Was kann dann noch kommen? Eine Show mit KISS? Ich träume jedenfalls davon.

Josi:
Was möchtest du der „Welt“ abschließend noch mitteilen?

Rod:
Horror fördert Kreativität. Also schockiert eure Eltern und lest ein Buch! Und besucht uns unter www.myspace.com/theother

Josi:
Das wars erstmal. Vielen Dank und viel Erfolg für 2010!

www.myspace.com/theother
Bilder mit freundlicher Genehmigung von The Other und Josi.

Art des Interviews: Email
14.03.2010 by DrunkenGypsy

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