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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

HIM: Liebe in Theorie und Praxis

Seit HIM seinerzeit mit ihrem Ausnahmealbum Razorblade Romance weltweite Erfolge feierten, gelten sie als Referenz für die gesamte Düsterrock-Welt. Aktuell steht ihr neuestes Werk Screamworks: Love In Theory And Practice in den Regalen, welches musikalisch wieder sehr an die alten Zeiten anknüpft, und mit dem HIM wieder einmal ihre Ausnahmestellung unterstreichen.
Unsere Nadine (deren Nickname HerInfernalMajesty wohl dezent auf gewisse musikalische Präferenzen hinweist) ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, beim Konzert in Dortmund (es gab diesen Frühjahr gerade mal 2 Deutschlandkonzerte überhaupt), mit Bassist Migé auf Tuchfühlung zu gehen, und diesem ein paar Fragen zu stellen. Die beiden sprachen über das aktuelle Album, Metaphern als Ausdrucksform und vieles mehr...

Nadine:
Hi Migé! Wirklich toll, dass du hier bist, das ist wirklich großartig, dass das Interview zu Stande gekommen ist. Ihr spielt nur zwei Shows in Deutschland und da werden wohl eine ganze Menge Leute mit euch sprechen wollen...

Migé:
Wir haben wirklich derzeit eine Menge zu tun!

Nadine:
Warum spielt ihr denn nur diese zwei Shows hier in Deutschland?

Migé:
Um ehrlich zu sein planen wir ein paar mehr Gigs hier im nächsten Herbst. Wir haben gerade die Australien-Tour hinter uns und jetzt gehen wir nach Amerika. Wir haben halt beschlossen die Tour so zu starten. Es wäre wirklich schön gewesen wenn wir hier ein wenig mehr hätten spielen können. Deswegen kommen wir auch Ende des Jahre nochmal wieder...Das wird schön...

Nadine und Migé

Nadine:
Vor zwei Tagen habt ihr ja in Hamburg gespielt und das war ja das erste offizielle Mal, dass ihr den Fans die neuen Songs live präsentiert habt. Was kannst du über die Show sagen und vor allem, was glaubst du wie das neue Material ankam?

Migé:
In Hamburg hatten wir kleine technische Schwierigkeiten. Am Anfang des Gigs hatten wir schlimme Feedbacks vom Mikrophon her und das war ziemlich unglücklich, denn Hamburg ist wirklich ein toller Ort zum Spielen. Als wir damals angefangen haben, spielten wir auch das erste Mal in Hamburg und das ist jetzt schon zehn Jahre her und es ist für uns immer noch ein spezieller Ort. Ich drifte ab, sorry (grinst) Egal, wir waren am Anfang sehr überrascht wegen den neuen Songs. Die Leute schienen sie sich wirklich viel angehört zu haben denn sie haben viel mitgesungen und haben auch ein bisschen getanzt. Es war großartig, wir sind wirklich glücklich mit den neuen Sachen.

Nadine:
Und was erwartest du von der heutigen Show?

Migé:
Weißt du, keiner sollte immer viel erwarten, sondern einfach schauen was passiert. Und vor allem als Musiker bist du nicht zuständig dafür etwas von den Leuten zu erwarten, die deine Tickets gekauft haben. Wir erwarten ein wenig von den neuen Songs aber das war's. Nein, wir erwarten nichts, wir hoffen einfach nur, dass die Leute es nicht bereuen werden für uns zu bezahlen. Ich hoffe sie haben Spaß und genießen ihren Abend und gehen später ein wenig glücklicher nach Hause. Das ist was ich hoffe aber nichts, was ich erwarten würde.

Nadine:
Ich denke, die deutschen Fans werde ziemlich glücklich sein. Die ersten Fans haben ja heute Nacht schon vor der Halle geschlafen..

Migé:
Echt? Wow...wir hatten ja immer eine ganz besondere Beziehung zu Deutschand. Es ist echt ein Klischee das so zu sagen aber es ist hier wie unsere zweite Heimat. Wir waren wirklich viel hier...

Nadine:
Das neue Album Screamworks: Love In Theory And Practice handelt von Liebe und Schmerz und dem ganzen typischen HIM-Zeug. Aber auf der anderen Seite klingt es viel fröhlicher und euphorischer als einige Vorgängeralben. Gab es eine neue Motivation oder Inspiration?

Migé:
Ich denke unsere Alben reflektieren Situationen aus dem Leben, eben die Beziehungen und Liebe. Sie sind quasi brain-chemistry, vor allem der Entstehungsprozess. Ich vermute, unsere Band ging in der letzten Zeit durch eine glückliche Phase, so in den letzten zwei Jahren. Als wir das Vorgängeralbum Venus Doom schrieben, war es eine sehr harte Zeit für unsere Leute in ihren Privatleben und auch im Leben als Band. Und das wird eben vollkommen reflektiert.
Deswegen sind die Songs auch wirklich langsam und sehr depressiv. Dieses Mal haben wir einfach viel mehr Positives in unser aller Leben und vor allem in den Beziehungen untereinander. Die Chemie in der Band ist verrückt und auf den Kopf gestellt, aber sie ist jetzt viel gesünder.

Nadine:
Das ist wirklich schön zu hören!

Migé:
Ja, dafür gibt's einige Gründe. Das wäre eine ziemlich lange Liste, wahrscheinlich wissen wir gar nicht jeden einzelnen Grund. Aber die Dinge sind auf jeden Fall sehr erhebend im Moment. Das ist wirklich gut...

Nadine:
Das neue Album klingt ja ziemlich vertraut, eben so wie zu Razorblade Romace Zeiten...

Migé:
Es geht halt geraderaus nach vorne. Wir wollten es nicht exakt so leicht zum Hören machen, so ist es eben leichter für die Leute drauf einzusteigen. Wir wollten halt weniger künstlerisch sein sondern eher die Elemente der Songs und der Musik auf einer klaren Seite präsentieren. Es geht halt direkt ohne Umwege zum Kern des Liedes. Und das macht es halt zu einem positiven Schlag ins Gesicht. Ich denke, wir hatten eine ähnliche Einstellung, als wir an Razorblade Romance arbeiteten. Wir haben damals Demos aufgenommen die vollkommen anders waren, sehr schleppend im Vergleich zum Endergebnis, aber man kann eine klare Ähnlichkeit zu den heutigen Songs hören. Das denken aber viele. Ich selber denke auch, dass Screamworks sehr ähnlich klingt.

Nadine:
Als ich das erste Mal Heartkiller (1. Singleauskopplung) gehört habe, dachte ich auch nur "Oh mein Gott YES!!!!". Ich mochte das Venus Doom Abum wirklich gerne, aber es ist eben wirklich schwer öfter zu hören weil es einfach so unglaublich depressiv ist!

Migé:
Oh ja, das ist es...Aber ich denke trotzdem, dass es ein richtig gutes Album ist, aber es öffnet sich halt nicht so leicht und ist wirklich anspruchsvoll zum Hören und zum Verstehen. Es ist eine Herausforderung. Aber es ist gut, wie es ist und auch Bands müssen sich solchen Herausforderungen stellen. Sie müssen in tiefen Wassern schwimmen...

Nadine:
... um sich dan von Neuem aufschwingen zu können...

Migé:
Ja, aber manchmal ertrinkt man auch einfach (lacht) Es ist eben immer ein Risiko mit sowas.

Nadine:
Hast du denn einen Lieblingstrack auf der neuen Platte? Vielleicht einen, den du besonders gern live spielst?

Migé:
Hmm....Ich hab nie wirkliche Lieblingssongs. Okay, manchmal schon (grinst). Aber jetzt gerade... pfft... Okay, vielleicht Katherine Wheel. Ich mag einfach den Textgehalt sehr gern. Ich mag einfach das Bild, welches im Kopf kreiert wird. Wirklich gern. Es zeigt halt eine Foltermaschine, die dich gesünder macht wenn sie sich dreht und dir weh tut. Und wenn du dann am Ende dieser Folter bist, dann fühlst du dich stärker und klüger. Deswegen mag ich es. Es macht das Leben einfach, wenn du an solche Dinge glaubst. Also, ich zum Beispiel bin jetzt gerade krank aber wenn ich wieder gesund bin, dann bin ich auch daran gewachsen und ein wenig stärker. Ich mag diese Art des Denkens. Sehr dramatisch.

Nadine:
A propos Texte. Ihr benutzt das erste Mal biblische Ausdrücke wie in In the arms of rain wo Ville Textstellen mit "Hail Maries" und "Ave Maria" hat. Früher gab es halt oft die Zahl 666 in den Lyrics und Satan hier und Tod da...

Migé:
(lacht) Also denkst du Ville "traded dope for pope", ja? (lacht weiter) Nein, ich denke, egal ob es dieses satanische Image oder unser christliches ist, es ist einfach metaphorisch gemeint. Keiner von uns betet wirklich Maria an. Es ist eine sehr starke Symbolik. Ich denke, jeder Mensch hat eine Art von Vorstellung über die ganzen biblischen Figuren wie Jesus, Maria. Es sind halt wirklich starke...ehm...starke Bilder...(lacht) Und die kann man eben benutzen um etwas zu repräsentieren. Wenn man zum Beispiel "Jesus" sagt, dann denken Leute an Hirten und Gutes und wenn du Satan sagst dan denken Menschen immer an etwas Böses. Also benutzen wir es als Metapher, so können schlimme Gefühle eben satanistische Gefühle sein und gute Gefühle eben irgendwie...(grinst) göttliche, wenn man sie so nutzt wie wir. Aber sie sind nicht einfach nur Statements, das kann ich dir sagen. Es sind halt Aussage über Emotionen und den Geisteszustand.

Nadine:
In wieweit hat das mit dem Frontcover des Albums zu tun, einer Nonne namens St. Scream?

Migé:
Eine Nonne ist eben auch ein starkes Symbol für etwas. Und wenn so ein Symbol dann auch noch verzerrt wird, dann gibt das immer einen bestimmten Eindruck. Es ist eben eine optische Täuschung. Du könntest also denken, dass Nonnen und bestimmte Symbole und Einstellungen auch nur Illusionen oder Täuschungen sein können. Es geht halt um Interpretation. Jeder hat seine eigene Meinung von etwas.

Nadine:
Wenn man die Limited Edition von Screamworks kauft, bekommt man noch die Akustik-CD Baudellaire in Braille mit euren neuen Songs als Akustikversion dabei. Wieso habt ihr euch entschlossen so eine Edition rauszgeben?

Migé:
Um den ganzen Prozess offenzulegen. Ein Song startet immer als reine Akustikversion und dann gibt es irgendwann die aktuelle Bandversion. Es zeigt halt die ganze Entwicklung. Es zeigt auch, worum es bei dem Skelett des Songs geht. Es war eine Menge harter Arbeit für Ville, aber ich bin froh, dass er das gemacht hat. Mit dieser CD legt er die Lieder sehr offen, sehr ungeschützt und so können die Leute sie genau untersuchen. Denn so beginnen die Songs eben, glaube ich. Ville singt und spielt Gitarre. Das sollte auf jeden Fall interessant sein. Das hoffe ich jedenfalls. Es war auch interessant für mich!


"Unsere Band ging in der letzten Zeit durch eine glückliche Phase"

Nadine:
In den nächsten Monaten werdet ihr ja aus US-Tour sein, wie unterscheidet sich das amerikanische Publikum vom deutschen?

Migé:
Ich denke nicht, dass die Nationalität viel damit zu tun hat. Ich denke, dass es auf den Ort ankommt und auch auf den Tag in der Woche. Ich genieße einfach jede Art von Publikum. Es muss gar nicht viel rumspringen oder unbedingt mitsingen sondern einfach nur ein paar schöne Stunden mit uns verbringen. In Südeuropa zum Beispiel springen die Leute die ganze Zeit... Das deutsche Publikum kommt dem finnischen sehr nahe. Sie sind keine wirklich guten Tänzer aber sie sind großartige Zuhörer und das schätze ich sehr. Es geht halt im Musik und nicht um Hullabaloo (dt. Aufregung)...okay, es kann auch eine Hullabaloo sein, wenn du es denn willst. Aber wie gesagt, es kommt eben auf die Stadt an, Leipzig kann sich sehr von Dortmund unterscheiden.

Nadine:
Wie geht es dann nach der Show weiter? Fahrt ihr direkt wieder, denn morgen spielt ihr ja schon in Luxemburg, oder bleibt ihr die Nacht hier?

Migé:
Ich denke, wir bleiben die Nacht hier und gehen es ruhig an. Es wird eine lange Tour im Bus also genießen wir das Bett so lange es geht (grinst)

Nadine:
Was können wir denn von HIM in der nächsten Zukunft erwarten? Ihr werdet zwar viel auf Tour sein, aber können wir uns auf irgendwas schon richtig freuen?

Migé:
Wir versuchen die Zukunftspläne so minimal wie möglich zu halten, denn es ist immer gefährlich diese Sicherheit von Zeit zu Zeit zu investieren, eben sicher zu sein, dass es funktionieren wird. Wir wollen jeden Tag leben und jedes Konzert spielen als wäre es das letzte, auf eine Art.
Das ist was den Geist des Rockmusik manifestiert: Das Beste. Wenn man anfängt zu denken "ja, dann kommt nächstes Jahr die ganz große Sache und da verdienen wir Geld bei und das wird super" dann hebt man irgendwann ab. Nur Pussys machen das...(schüttelt den Kopf) Das ist echt nicht gut. Es MUSS gefährlich sein, es muss einfach ein risikoreiches Geschäft sein. Und es muss spontan sein. Einfach schauen was passiert. Entweder machen wir etwas oder wir machen es eben nicht. Das ist der Weg, den man gehen sollte. Im Moment jedenfalls.

Nadine:
Leider ist die Zeit schon um und das Interview vorbei. Danke für die schöne Zeit, es hat mir wirklich viel Spaß gemacht!

Migé:
Mir auch, danke dir, wir sehen uns ja dann im September (lächelt)

Galerie zum Abend
Rezension Screamworks: Love In Theory And Practice
HIM-Website

Art des Interviews: face2face
13.03.2010 by HerInfernalMajesty

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