Man mag es kaum glauben, aber im nächsten Jahr werden auch die Gothic Metal-Urgesteine von Crematory ihr 20-jähriges Jubiläum hinlegen. Mit ihren Hits wie Tears of Time und Greed, aber auch mit mutigen, genial klingenden Coversongs (wie z.B. der energiegeladenen Sisters of Mercy-Adaption Temple of Love) haben sie das Genre und die deutsche wie internationale Metal-Landschaft entscheidend mit geprägt. Und da die Metalheadz aus dem Herzen Deutschlands noch lange nicht müde sind, wird diesen Monat das von den Fans heiß ersehnte Album Infinity auf die Meute losgelassen.
2 Jahre sind seit dem letzten Werk Pray ins Land gezogen, und auch wenn jenes schon ein wohlklingendes, leicht retrospektiv wirkendes Album war, setzt die neueste Scheibe noch eine Schippe drauf. Die dazwischen liegende Kreativphase hat Crematory bestens genutzt, um mit noch feiner ausgearbeitetem Sound und kreativen Songs das 19. Band-Lebensjahr einzuleiten.
Gespickt ist Infinity mit zehn Songs, die allesamt ein Zeugnis ob der Klasse ihrer Urheber ablegen. Auffällig sind dabei vor allem zwei Stücke: Mit Auf der Flucht haben die Jungs (+ Mädel Katrin natürlich!) erneut einen kleinen Ausflug in ihre Muttersprache vollzogen, und bauen dabei auf ungewohnt rockige Klänge - Sicher beides Mittel, um die Botschaft des Songs gerade auch den zuweilen etwas träge gewordenen Subkulturellen im Heimatland unter die mattengekrönte Schädeldecke zu trimmen. Und was die Cover-Wut angeht sind Crematory in gefährliches Terrain vorgestoßen... Songs von Depeche Mode gelten unter vielen Musikern und Fans als heisses Eisen, wenn es um deren Neuinterpretation geht. Doch auch hier hat die Band um Frontmann Felix ihr Handwerk gemeistert - Black Celebration ist eine gelungene Hommage an die Ikonen des Synthie-Pops.
Aber auch sonst ist Crematory das Feuer nicht ausgegangen. Eingängig und solide kommt z.B. das balladeske, mit schnelleren Passagen durchsetzte No one knows daher. Sense of time klingt ein wenig wie eine inhaltliche Fortsetzung des größten Hits der Band über die Tränen der Zeit, wenn auch nicht mit der gleichen Ohrwurm-Tiefe des selbigen, und Tracks wie Out of mind oder das treibend dahinpreschende Where are you now unterstreichen weiter den Facettenreichtum des Crematory-Quintetts.
An wenigen Stellen wirkt Infinity auch wie ein Neuaufguss bereits veröffentlichter Songs, allerdings nur unterschwellig und ohne dabei unangenehm zu werden. Von solchen minimalen Längen abgesehen haben Crematory erneut ihre besondere Qualität unter Beweis gestellt. Das Alter merkt man den Recken jedenfalls nicht an, im Gegenteil: Infinity wirkt frisch und unverbraucht, und bekommt durch die Reife seiner Macher lediglich eine gewisse Professionalität und Souveränität.
Trackliste
01. Infinity
02. Sense of time
03. Out of mind
04. Black celebration
05. Never look back
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06. Broken halo
07. Where are you now
08. A story about
09. No one knows
10. Auf der Flucht
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Veröffentlichung: 29.01.2010
Crematory - Homepage
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