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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

Carsten Braun

Carsten Braun, ein Multitalent, Improvisationstalent, man nenne ihn wie man will, doch sicher ist, Carsten Braun hat mit seinen 28 Jahren schon eine Menge erreicht. Musik war schon immer ein großer Teil seines Lebens, er verwirklichte sich in dieser Hinsicht mit vielen Dingen. Doch auch sein Privatleben Stand dabei nicht im Hintergrund. Zusammen mit seiner Frau in einem schönen Häuschen in Simmern, verwirklichte er seine musikalischen Träume Stück für Stück, und unterrichtet nebenbei auch noch. Ein etwas anderes Interview bei Nightshade. Here we go!

Lionis:
Also, gleich zu frage 1. Sie machen schon sehr lange Musik, oder?
Carsten:
Meinen ersten Orgelunterricht hatte ich im November 1987, dann ab Frühjahr 1988 Organistendienst in der Kirche. Mein erstes öffentliches Solokonzert war 1995, die erste Band 1996 (Euphorbia; Gothic-Rock), dann kam die erste Uraufführung einer eigenen Komposition 2000 („Christmas Greetings" nach einem Text von Lewis Carroll für Chor, Klavier und Streichorchester)

Lionis:
Wie ich mitbekommen habe, spielen sie einige Instrumente, und singen nebeinbei auch noch?
Carsten:
Ich spiele Klavier, Orgel, Saxophon und etwas Gitarre. Singen kann ich gut genug, um „richtigen" Sängern vorzumachen, wie ich mir eine Melodie vorstelle und natürlich – um mit meinen Schülern zu singen!

Lionis:
So viel zu tun, und nebenbei auch noch zu Unterrichten, wie schaffen sie das?
Carsten:
Ein Sprichwort sagt „der Mensch wächst mit seinen Aufgaben". Wenn ich nicht so viele Verpflichtungen habe, faulenze ich zuviel vor dem Fernseher oder stolpere durchs Internet. Das macht mich aber schnell ungeduldig und sehr unzufrieden. Ich brauche einfach das Gefühl, an vielen Fronten gefordert zu sein. Und bei einigen Tätigkeiten kann ich sogar entspannen – wenn ich Klavierunterricht gebe oder bei Proben, wenn nicht allzu viel auf dem Spiel steht. Manchmal arbeite ich bis in die Nacht oder stehe morgens um 3 Uhr auf, um weiterzuarbeiten. Das mache ich aber nur selten, z.B. bei Filmmusikproduktionen, die meistens unter Zeitdruck fertig werden müssen.
Ach ja, „nebenbei unterrichten" – diese Formulierung trifft es manchmal ziemlich genau... Ich habe wohl ein gewisses Talent zur Improvisation, das mir sicher auch in der Schule von Nutzen ist.

Lionis:
Welche Musikrichtungen bevorzugen sie?
Carsten:
Diese Frage muss ich in 2 Teilen beantworten: Die Musik, die ich am liebsten höre, ist nicht die Musik, die ich am liebsten spiele oder selbst schreibe. Ich höre gerne harte Rockmusik, da bin ich wohl als Teenager drauf geeicht worden. (anm. v.Lionis: und dass ist auch gut so! *lacht*) Immerhin habe ich mein Spektrum von Motörhead, Black Sabbath, Mercyful Fate und Iron Maiden (sowie ähnlichem) auf modernere Spielarten wie System of a Down und Grip Inc. ausgedehnt. Ich kann auch elektronische Musik (sogar Techno) hören, wenn sie gut gemacht ist. Die Dancefloor-, Hip-Hop- und Popmusik dagegen, die tagtäglich von den großen Radiostationen gedudelt wird, nervt mich furchtbar. Es gibt nichts langweiligeres, als diese mittelmäßigen, uninspirierten Fließbandproduktionen. (anm. v. Lionis: Da stimme ich voll zu!) Jedoch spiele ich gerne Musical, Klassik, Pop (meistens Oldies) und etwas Jazz. Wenn ich komponiere, interessieren mich Kirchenmusik (obwohl ich nicht religiös bin – aber das ist ein anderes Thema), Kunstlieder, Filmmusik und Progressive Rock. Letzteres ist auch die einzige Überschneidung zwischen dem, was ich schreibe und „trotzdem" gerne höre. Übrigens: Wer noch nie die alten Platten von Genesis, Yes oder Emerson, Lake & Palmer gehört hat, sollte keine Zeit mehr verlieren und dieses nachholen!
Ich finde es sogar recht praktisch, dass das bei mir so auseinanderklafft: So bringe ich in meine Kompositionen oft sehr ungewöhnliche Einflüsse ein, die ich dann wieder der jeweiligen Stilistik anpassen kann.

Lionis:
2006, das Jahr von Elin (genauere Informationen unter www.elin-dasmusical.de). Wie kamen sie dazu, bei dem Musical „Elin – Eine Begegnung mit der Zeit", die musikalische Leitung zu übernehmen?
Carsten:
Hab ich ja gar nicht. Ich habe „nur" die Musik geschrieben und in der Band die Keyboards gespielt. Chorleitung, Probenorganisation und all das mag ich nicht + kann ich nicht. Da bin ich froh, dass ich genug Freunde habe, die mir das abnehmen.

Lionis:
Und welche Bedeutung hat dieses Musical für sie?
Carsten:
Ich mag es, sehe es aber nur als Station an, bei der ich viel gelernt und sicher auch genug falsch gemacht habe. Viele Songs darin gehen auf recht alte Ideen zurück und ich bin froh, dass sie in „Elin" einen endgültigen Platz gefunden haben. Aber ich denke immer sofort nach Abschluss einer Komposition an das nächste und ich plane bereits eine neue Rockoper, die allerdings erst 2009 uraufgeführt werden wird. Sie soll progressiver und etwas härter werden, außerdem im stimmlichen Bereich mehr auf (professionelle) Solisten und weniger auf einen Chor setzen.

Lionis:
Und war das ihre erste große Erfahrung, oder hatten sie schön öfters mit Musicals zu tun?
Carsten:
Es war das erste mal, dass ein gesamter Konzertabend nur Musik von mir enthielt. Trotzdem betrachte ich die Uraufführung des 150. Psalms im Dezember 2005 für den bisherigen Höhepunkt meiner Laufbahn. Vielleicht, weil „klassische" Musik für mich doch einen etwas höheren Stellenwert hat – nicht weil ich sie lieber höre, sondern weil es so viel schwieriger ist, in diesem Bereich etwas wirklich Originelles und doch Anspruchsvolles zu schaffen. Das ist mir mit der Psalmvertonung bisher am besten gelungen.
Musicals aufgeführt (als Pianist oder Keyboarder) habe ich schon ein paar. Auch andere Großwerke wie Oratorien oder mehrsätzige Instrumentalwerke. Aber in der Frage ging es um eigene Kompositionen, richtig? (Lionis: Japp, richtig *grins*)


"Ich bemühe mich, Chancen nicht zu verpassen."

Lionis:
Wie war die erste Aufführung für sie, waren sie sehr nervös?
Carsten:
Oh ja, sehr! Es war denn doch ein wenig zu viel, was auf mich einstürmte und jedes für sich hätte gereicht, um mich nervös zu machen: Ich musste recht schwierige Passagen auf den Keyboards spielen und (was ich zu selten trainiere) auch die Sounds der Synthesizer während des Spiels modulieren. Dazu kommt die Grundnervosität, wenn man einem Publikum seine eigene Musik präsentiert. Man hat ja immer Angst, es könnte durchfallen oder zumindest nicht verstanden werden – wofür (und das ist das Gemeine) nicht nur die Komposition selbst, sondern sehr viele Faktoren verantwortlich sein können: Die Tontechnik (dazu gleich), bei Bühnenstücken auch das Schauspiel, der Text, die Gesamtpräsentation, die Leistung der Musiker und der Sänger. So. Und jetzt hatten wir auch noch große Probleme mit der Tontechnik, weil das Stück sehr aufwendig instrumentiert ist und entsprechend schwierig abzunehmen war. In der Nacht zwischen Generalprobe und Uraufführung haben wir noch aus den Mainzer Kammerspielen ein neues, 2 Meter langes Mischpult kommen lassen und alles neu verkabelt. Das führte neben der grundsätzlichen Sorge um den Sound noch zu einem immensen Schlafdefizit und Konzentrationsmängeln. Zum Glück kannte ich meine Songs in- und auswendig und konnte so praktisch im Blindflug spielen.

Lionis:
Ohje, das klingt ja nach sehr viel Arbeit. Aber was man so gehört hat ist die Uraufführung ja doch ein voller Erfolg gewesen!
Carsten:
Ja doch, wir sind zufrieden!

Lionis:
Okay, dann mal zur nächsten Frage. Sie haben schon Einige Wettbewerbe gewonnen, welche Preise waren das?
Carsten:
Naja, einen. Und da war ich auch nicht Gesamtsieger, sondern „nur" Preisträger. Es war der deutschlandweite Wettbewerb für „Schulpraktisches Klavierspiel" in Weimar und ich bekam einen Preis für „stilistische Breite in der Improvisation". Das war Geld, aber leider nicht genug, um mich damit zur Ruhe zu setzen. (grinst) Langfristige Folge ist wohl, dass ich seit 2005 einen Lehrauftrag für Schulpraktisches Klavierspiel an der Mainzer Uni habe.
Generell bin ich aber kein Freund von Wettbewerben. Ich hatte vor einem Jahr versucht, eine Komposition für einen Wettbewerb in Dresden zu schreiben, konnte mich aber nicht motivieren diese Musik zu beginnen, die mich persönlich eigentlich nicht interessiert hat. Ich muss mögen, was ich mache und das hat außer dem Weimarer Wettbewerb noch kein anderer bei mir ausgelöst.

Lionis:
Wie man das hier hört beschäftigen sich auch intensiv mit Kirchenmusik, was bedeutet diese für sie?
Carsten:
Ich bin damit aufgewachsen und wohl auch geprägt – musikalisch, nicht inhaltlich. Während ich bei der Vertonung eines Gedichtes von dem Text inspiriert werde, schaffen geistliche Texte das allerdings nicht. Vielleicht auch, weil sie schon 1000fach von anderen Komponisten vertont wurden. Da geht es mehr darum, seine eigene Interpretation einer etablierten Gattung zu finden. Die musikalischen Ideen entwickele ich zunächst unabhängig vom Text – aber natürlich schon im Wissen um den angemessenen Klangcharakter (festlich, klagend, fröhlich, besinnlich, ehrfurchtsvoll...). Dann arbeite ich mit diesen Grundideen und baue sie aus. Bei Orgelmusik reizt mich, dass ich dort mit sehr farbigen Klängen arbeiten kann, außerdem fasziniert mich die Klanggewalt großer Orgeln. Und natürlich kenne ich dieses Instrument besonders gut – nun seit fast 20 Jahren.

Lionis:
Man merkt auch, sie sind ein wirkliches Organisationstalent, denn sie sind auch als Komponist für Film und Fernsehen zuständig, wie man auf der Homepage von „Elin" nachlesen kann. Was für Filme und Sendungen waren das, und wie sind sie dazu gekommen?
Carsten:
Bisher waren es nur Dokumentationen, keine Spielfilme. Darunter auch Werbefilme (nicht Werbespots!) für Unternehmen, Touristik und kulturelle Einrichtungen. Mein Lieblingsfilm ist ein 20-Minüter, der im 3-D-Kino auf dem Loreleyfelsen läuft. In diesem Film wird außer im Vorspann gar nicht gesprochen und die Wirkung geht allein von Musik und Bild aus – fast wie ein Musikvideo; nur, dass das Bild zuerst da war. Fürs Fernsehen haben wir Dokumentationen mit Lokalbezug vertont, u.a. den Film „Arzt auf Achse" und „die Schrottbrüder aus dem Westerwald", der sogar für den Grimme-Preis nominiert war. In Kürze folgt ein Roadmovie, zugleich unser erster 90-Minüter. Bitte frag jetzt nicht, wann ich das machen will... Osterferien vielleicht?

Lionis:
Ich sags ja, Organisationstalent, denn sie unterrichten zusätzlich noch Musik und Geschichte am Gauß Gymnasium Worms. Wie sie auf Musik kamen ist wohl vielen klar, aber warum gerade Geschichte?
Carsten:
Ich hatte in Weimar mein Studium begonnen und da nur Musik belegt, was in Thüringen möglich ist. Beim Hochschulwechsel nach Mainz brauchte ich dringend ein zweites Fach. Da ich als Schüler Geschichte-Leistungskurs belegt hatte, hab ich gedacht „versuchs mal damit". Tja...

Lionis:
Was planen sie denn für die kommenden Jahre?
Carsten:
Zur Zeit habe ich viele angefangene Kompositionen „herumliegen". Die möchte ich beenden, insofern ich sie in ein paar Monaten oder Jahren noch gut genug finde. Bereits fertige Stücke möchte ich, wenn möglich, weiter verbreiten und wenn es sich ergibt auch professionell aufnehmen.
Auch wenn ich so was gar nicht mag, möchte (und muss) ich versuchen, Werbung für mich zu machen und Beziehungen v. a. in der Filmbranche zu knüpfen. Denn es ist dort leider nicht so wichtig, wie gut man ist, sondern wen man kennt.
Aber eigentlich kann man gar nicht wirklich planen – dazu ist alles künstlerische (zum Glück) viel zu unberechenbar und vom Zufall abhängig. Ich bemühe mich, Chancen nicht zu verpassen und wo möglich Kontakte zu interessanten Musikern zu knüpfen oder zu intensivieren.

Lionis:
Dann wünschen wir ihnen Viel Glück bei ihrem weiteren Weg, und vielleicht öffnen sich ja durch Nightshade auch noch ein Paar kleine Tore für sie :)
Carsten:
Vielen Dank! Fürs erste ist es ja schon mal toll, auf eurer Seite mit vielen Künstlern sozusagen in einer Reihe zu stehen, deren Fan ich mal war oder sogar noch bin. „Das Ich", die ihr ja auch interviewt habt, habe ich mal nach einem Konzert angequatscht und handsignierte Plakate bekommen. Aber ob die sich noch an mich erinnern...

Weitere Infos zu Carsten Braun, seinem musikalichen Schaffen und seinem Musical findet ihr unter: www.carstenbraun.de

Art des Interviews: Email
13.02.2007 by Lionis

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